Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens April 2017

Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens von Amazon-Arbeiter_innen  in Poznań am 21.–23. April 2017

Nach wie vor setzt Amazon alles daran, seine Arbeiter_innen in den Warenlagern und Versandzentren unter Bedingungen zu beschäftigen, die sie krank machen und in wenigen Jahren verschleißen.

In Polen hat das restriktive Arbeitsrecht 2016 einen Streik bei Amazon verhindert, für den bei der Streikurabstimmung über 2000 Beschäftigte gestimmt hatten. Nun werden Arbeiter_innen, die sich wehren, dort mit Kündigungen wegen angeblich schlechter Leistung und wegen Krankheit aus dem Betrieb gedrängt.

In Frankreich versucht Amazon, faktische Lohnsenkungen gegen die Arbeiter_innen durchzusetzen.

Auch in Deutschland werden Amazon-Arbeiter_innen wegen Krankheit gekündigt, zur Unterzeichnung von Aufhebungsverträgen gedrängt oder ihre befristeten Verträge nicht verlängert. Die von der Gewerkschaft Ver.di organisierten Streiks gehen zwar weiter, aber ohne dass sie tarifvertragliche Absicherungen durchsetzen konnten.

In allen Fällen beweist das Amazon-Management, das erst letztes Jahr Rekordgewinne verzeichnen konnte, dass es Arbeiter_innen nur als Mittel zur Gewinnmaximierung betrachtet.

Der Widerstand an kämpferischen und streikbereiten Amazon-Standorten bleibt schwierig, denn solange der Widerstand nicht eine gewisse internationale Breite gewinnt, kann das global agierende Unternehmen die Bearbeitung von Bestellungen in andere Warenlager und Länder verschieben und dadurch Streikwirkungen ausweichen.

Ein effektiver Kampf bei und gegen Amazon muss deshalb über die Grenzen hinweg geführt und koordiniert werden und dabei die verschiedenen Erfahrungen der Arbeiter_innen berücksichtigen.

Vom 21. bis 23. April trafen sich deshalb in Poznań Amazon-Arbeiter_innen und Unterstützer_innen aus Polen, Frankreich und Deutschland, um ihre Erfahrungen auszutauschen.

Wie schon bei vorherigen Treffen 2015 und 2016 spielten Gewerkschaftsmitgliedschaften oder -mandate keine Rolle, weil es den Beteiligten um eine selbstorganisierte Kommunikation jenseits hierarchischer Organisationsstrukturen geht.

Noch mehr als bei den Treffen 2015 und 2016 lag der Fokus diesmal auf gemeinsamen Strategien zur Gegenwehr. Aufgrund der großen Unterschiede im Lohnniveau und der rechtlichen Situation zwischen den Länderstandorten sind die naheliegendsten gemeinsamen Bezugspunkte nicht Tarifverträge oder Lohnforderungen, sondern die despotischen und krankmachenden Arbeits- und Gesundheitsbedingungen, mit denen alle Amazon-Beschäftigten unabhängig vom Standort konfrontiert sind.

Die Teilnehmer_innen entschieden, diese Bedingungen zum Thema einer gemeinsamen Kampagne „Amazon macht uns krank!“ zu machen und an Aktionstagen Druck auf Amazon auszuüben, damit sich die Lage verbessert.

Poznań, April 2017

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