Schlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens von Amazon-ArbeiterInnen – Poznan, März 2019

Das achte internationale Treffen von Amazon-ArbeiterInnen fand vom 15 bis zum 17. März statt. Mehr als fünfzig ArbeiterInnen und UnterstützerInnen aus Spanien, Frankreich, Polen und Deutschland und von sechs Gewerkschaften trafen sich in Poznań, um Informationen auszutauschen und weitere gemeinsame Aktionen zu planen:

  • Wie beim letzten Treffen entschieden, wurden das erste Mal systematisch Informationen gesammelt über alle beteiligten FC und die Arbeitsbedingungen dort.
  • In Poznań wurde die Kampagne „Kein Rattenrennen“ gegen die Feedbacks und hohen Arbeitsvorgaben gestartet. FC in anderen Ländern wollen die Kampagne übernehmen. Im Zuge der Kampagne verteilten TeilnehmerInnen des Treffens Flugblätter während des Schichtwechsels vor dem FC in Poznań.
  • Ein Fokus der Diskussion war der Einsatz von Zeitarbeit bei Amazon. In Polen und Spanien setzt Amazon weiterhin ZeitarbeiterInnen ein mit sehr kurzen Arbeitsverträgen (manchmal lediglich zwei Wochen). In Deutschland wurde vor fünf Jahren weitgehend erfolgreich gegen die Zeitarbeit gekämpft. Informationen über die erfolgreichen Strategien wurden ausgetauscht. Der internationale Einsatz von Zeitarbeit zieht Druck auf die Löhne und Arbeitsbedingungen in allen Ländern nach sich. Aus Protest gegen den Einsatz von Zeitarbeit wurde vor der Firmenzentrale der Zeitarbeitsagentur Adecco in Poznań eine Kundgebung abgehalten (siehe ein Video dazu unter: https://vimeo.com/326854438).
  • Es gab eine kontroverse Diskussion über die Forderung nach einem einheitlichen europäischen Lohn. Amazon-ArbeiterInnen machen überall dieselbe Arbeit, und nicht mal das  lokal unterschiedliche Preisniveau rechtfertigt die großen Lohnunterschiede. Es wurde jedoch auch die Frage gestellt, ob die Forderung nach einem europäischen Lohn strategisch Sinn macht.

Am Ende des Treffens wurden folgende Punkte entschieden:

  • Die Kontroverse über den einheitlichen europäischen Lohn und die Strategie von Amazon, die ArbeiterInnen in den verschiedenen Ländern gegeneinander auszuspielen, zeigt, dass die internationale Organisierung von Amazon-ArbeiterInnen eine gemeinsame, langfristige Strategie braucht. Bis zum nächsten Treffen wird eine Diskussion darüber in kleinen Gruppen vorbereitet.
  • Die Sammlung von Informationen über Amazon in verschiedenen Ländern wird fortgeführt.
  • Es wird weitere Besuche von Amazon-Beschäftigten in anderen FC in Europa geben.
  • Das nächste Treffen wird vom 27. bis 29. September in Leipzig stattfinden.

Niemals zuvor nahmen so viele Beschäftigte aus so vielen Ländern am grenzübergreifenden Treffen von Amazon-ArbeiterInnen teil. Die Tatsache, dass ArbeiterInnen aus so unterschiedlichen Gewerkschaften wie SUD-Solidaire aus Frankreich, CGT aus Spanien, Ver.di aus Deutschland und IP sowie Solidarnosc aus Polen gemeinsame Forderungen diskutieren, zeigt, dass eine internationale Organisierung von unten über gewerkschaftliche Grenzen hinaus möglich ist. Sie soll fortgeführt und gefestigt werden.

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Einladung zum Grenzübergreifenden Amazon-ArbeiterInnen-Treffen in Poznań März 2019

Liebe Amazon-Kolleginnen und -Kollegen, Unterstützerinnen und Unterstützer,

hiermit laden wir Euch herzlich zum nächsten Grenzübergreifenden Amazon-ArbeiterInnen-Treffen ein, dass in Poznań (Westpolen) von Freitag, 15. März, bis Sonntag, 17. März 2019, stattfinden wird.

Dies ist ein Basistreffen, organisiert von Arbeiterinnen und Arbeitern selbst, zum Austausch von Informationen, zur gegenseitigen Unterstützung unserer Kämpfe vor Ort und zur Suche nach gemeinsamen Strategien für unseren Kampf für bessere Arbeitsbedingungen in den Lagern und darüber hinaus.

Hinter dem Treffen steht keine formale Organisation und auch keine bestimmte Gewerkschaft oder Gewerkschaftsströmung. Wir laden alle Amazon-Beschäftigten, einzelne oder gewerkschaftlich organisierte, zur Teilnahme ein – einschließlich ArbeiterInnen von Zeitarbeitsfirmen, Beschäftigte von Subunternehmen, Fahrer, Büroangestellte und TechnikerInnen in und für Amazon-Lager –, die gegen die ausbeuterischen Bedingungen kämpfen wollen, denen wir uns täglich gegenübersehen.

Wir haben diese Treffen im Frühjahr 2015 ins Leben gerufen und uns seitdem zweimal im Jahr getroffen. Teilgenommen haben bisher Beschäftigte und UnterstützerInnen aus Deutschland, Polen, Frankreich, England und den USA, und wir hoffen, zukünftig ArbeiterInnen und UnterstützerInnen aus weiteren Ländern begrüßen zu dürfen.

Die Diskussionen waren fruchtbar und nützlich für unsere lokalen Initiativen, und wir haben es auch geschafft, gemeinsame Aktionen in verschiedenen Ländern zu koordinieren. Bitte schaut Euch die Abschlusserklärungen der Treffen auf dem Blog an unter https://amworkers.wordpress.com.

Während dieser Treffen haben wir drei Hauptthemen ausgemacht:

  1. Löhne und Arbeitsbedingungen
  2. Kontrolle, Feedbacks und andere Disziplinierungsmaßnahmen
  3. Beschäftigungsverhältnisse, einschließlich auf kurze Zeit befristete Verträge und Zeitarbeit.

Auf dem Treffen in Poznań wollen wir uns auf das dritte Thema konzentrieren. Befristete Verträge und Zeitarbeit werden von Amazon in vielen Lagern und in verschiedenen Ländern auf breiter Front eingesetzt. Sie bringen die Beschäftigten in eine unsichere Lage, behandeln sie wie Wirtschaftsfaktoren, die verbraucht und abgestoßen werden können, wie es der Firma beliebt. Amazon sagt, dass die flexiblen Verträge für die Saisonarbeit gebraucht werden, aber in Wirklichkeit werden sie das ganze Jahr über eingesetzt.

Da die verschiedenen Vertragsformen zu Spaltungen in den Belegschaften führen, wirken sie sich auch enorm auf unsere Organisierung am Arbeitsplatz aus, wie bei den Streiks in Deutschland und Spanien zu sehen war.

Auf dem Treffen in Poznan wollen wir die besondere Situation von ZeitarbeiterInnen und Beschäftigten mit befristeten Verträgen diskutieren und Wege finden, wie wir uns Amazon entgegenstellen und mit diesen Problemen umgehen können.

Wenn Ihr andere spezielle Themen habt, die ihr auf dem Treffen diskutieren wollt, sagt uns bitte Bescheid, und wir werden sie in die Tagesordnung aufnehmen.

Organisatorisches

Dies ist ein Treffen von Amazon-Beschäftigten und UnterstützerInnen, die bei der Organisierung von Kämpfen helfen und konkrete tägliche Unterstützungsaufgaben übernehmen.

Das Treffen wird am Freitag, den 15. März, um 18 Uhr beginnen. Sorgt also bitte dafür, dass ihr vorher ankommt. Ende des Treffens ist am Sonntag, den 17. März, um 14 Uhr.

Eine detaillierte Tagesordnung und die exakte Angabe des Veranstaltungsortes in Poznań bekommt Ihr, wenn Ihr Euch angemeldet habt.

Um Euch anzumelden, schreibt bitte eine Mail mit genauen Angaben an amaworkers@tutanota.com – und zwar sobald wie möglich und nicht später als am 1. März 2019.

Schreibt uns bitte, ob Ihr finanzielle Unterstützung für die Reisekosten braucht, und wir werden versuchen, eine Lösung zu finden. Wir werden für die Unterbringung in örtlichen Hostels sorgen (auch dafür brauchen wir so schnell wie möglich Eure Anmeldung).

Das Treffen wird in mehreren Sprachen laufen, und wir werden die Übersetzung organisieren. Schreibt uns bitte, falls ihr die Übersetzung in eine bestimmte Sprache braucht, und auch, falls Ihr andere besondere Bedürfnisse habt.

Teil des Ablaufs wird eine öffentliche Veranstaltung sein, und MedienvertreterInnen und andere, die Interesse und Fragen haben und mehr über den Kampf erfahren wollen, sind eingeladen, daran teilzunehmen. Datum, Uhrzeit und Ort werden noch bekannt gegeben auf https://amworkers.wordpress.com.

Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens von Amazon-ArbeiterInnen – Bad Hersfeld, 28. bis 30. September 2018

Etwa 25 Beschäftigte und UnterstützerInnen aus Polen, Deutschland, Frankreich und den USA trafen sich zum siebten grenzüberschreitenden Treffen seit 2015 (das erste Treffen 2015 fand auch in Bad Hersfeld statt).

Das Treffen begann mit Berichten aus den Standorten. Unter anderem wurde berichtet:

  • In Polen gab es eine erneute Lohnerhöhung: Der Bruttostundenlohn ist seit 2014 von 13,00 auf 18,50 Zloty gestiegen.
  • In Poznan fand eine Protestaktion der Gabelstaplerfahrer gegen disziplinarische Maßnahmen statt.
  • Die staatliche polnische Gewerbeaufsicht übt wegen etlicher Gesetzesverstöße Druck auf Amazon aus.
  • In verschiedenen Lagern in den USA gibt es neue Organisationsbemühungen von Amazon-Beschäftigten.
  • In Bad Hersfeld gab es neuen Zulauf bei den Streiks, ein gutes Ergebnis von Ver.di bei den Betriebsratswahlen und verstärkte Organisierungsbemühungen.
  • Zum ersten Mal wurden in Bad Hersfeld kurze Intervallstreiks durchgeführt.

Im weiteren Verlauf des Treffens wurde in Arbeitsgruppen über die Erfahrungen mit verschiedenen Arbeitskampfformen und über die Forderungen der ArbeiterInnen in den verschiedenen Ländern diskutiert.

Am Ende des Treffens beschlossen wir gemeinsam folgende Schritte:

  • Wir beginnen eine Kampagne gegen den Einsatz von Arbeitsvorgaben zur Erhöhung der Arbeitsgeschwindigkeit.
  • Da die Informationslage weiterhin unbefriedigend ist, gründen wir Gruppen, die Daten zu Löhnen, Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsformen in den Amazon-Lagern sammeln und analysieren. Die Ergebnisse sollen auf dem nächsten grenzübergreifenden Treffen im März präsentiert werden.
  • Es wird bald weitere Safe-Package-Aktionen (‘Arbeit strikt nach Vorschrift!’) geben.
  • Neben den Organisierungsbemühungen auf Betriebsebene werden wir uns darauf konzentrieren, Druck auf Amazons Luxemburger Zentrale auszuüben. Die Details dazu werden noch geklärt.
  • Das nächste Treffen wird Mitte März 2019 in Polen stattfinden. Der genaue Ort und weitere Details werden noch in diesem Jahr bekanntgeben.

Für weitere Informationen, die nächste Einladung, Neuigkeiten, Kontakt usw. siehe unseren Blog https://amworkers.wordpress.com.

 

September 2018: Einladung zum „Grenzübergreifenden Treffen der Amazon-Beschäftigten“ in Bad Hersfeld

Von Freitag, den 28., bis Sonntag, den 30. September 2018, findet in Bad Hersfeld das nächste grenzübergreifende Treffen der Amazon-Beschäftigten statt.

Amazon-Beschäftigte aus verschiedenen Ländern haben sich seit 2015 bereits mehrere Male getroffen, um ihre Situation zu diskutieren und Aktionen zu koordinieren. In Bad Hersfeld werden wir uns auf die Erfahrungen der letzten Streiks konzentrieren, auf die Safe-Packages-Aktionen, Arbeitsbedingungen und Vorgaben und anderes mehr.

Am Freitag den 28. September werden wir uns ab 14 Uhr vor dem Amazon-Lager FRA3 treffen (Amazonstraße 1, 36251 Bad Hersfeld)

Ebenfalls am Freitag, um 19 Uhr, gibt es eine öffentliche Veranstaltung mit Beschäftigten aus Deutschland, Polen, Frankreich, Spanien und den USA.

Zu beidem sind alle eingeladen, Arbeiter und Arbeiterinnen, Unterstützerinnen und Unterstützer und Journalisten. Mehr Informationen unter https://amworkers.wordpress.com.

Das Treffen der Amazon-Beschäftigten findet am Samstag und Sonntag statt. Die detaillierte Tagesordnung schicken wir Euch, wenn ihr Euch angemeldet habt. Amazon-Beschäftigte aus allen Ländern und Leute von Unterstützungsgruppen für Amazon Beschäftigte sind eingeladen. Ob ihr in einer Gewerkschaft seid oder nicht, spielt keine Rolle.

Organisatorisches:

Alle Interessierten können bereits am Donnerstag, den 27. September 2018, oder am Freitag, den 28. September 2018 anreisen. Der Donnerstagabend kann für ein erstes Kennenlernen und die weitere inhaltliche Vorbereitung der folgenden Tage genutzt werden. Bitte gebt bei der Anmeldung Euer An- und Abreisedatum mit voraussichtlicher Uhrzeit an.

Anmelden: Sendet Eure Anmeldung bitte per Email an das Kontaktformular: https://amworkers.wordpress.com/contact-us

Für die Anmeldung benötigen wir

  • Namen
  • Emailadresse und (wenn möglich) Mobilfunknummer
  • Land
  • FC
  • gesprochene Sprachen
  • Bedarf an Reisekostenerstattung und Höhe der erwarteten Kosten
  • Datum und Uhrzeit von Anreise und Abreise
  • Besonderheiten (z. B. Vegetarierin, Veganer, Allergien)

Solltet Ihr als Gruppe anreisen, so genügt die Anmeldung über eine gemeinsame Email.

Ausfüllen des Fragebogens: Nach Eurer Anmeldung bekommt Ihr eine Anmeldebestätigung und einen Fragebogen. Bitte sendet uns diesen ausgefüllt bis spätestens zum 24. September 2018 zurück. Wir werden die Ergebnisse auf dem Meeting vorstellen.

Anreise: Informationen zur Anreise bekommt Ihr mit der Bestätigungsmail.

„Feedback“ für Bezos

Jeff Bezos, Gründer und Chef von Amazon, wird am 24. April 2018 nach Berlin kommen, um den “Axel Springer Preis” zu bekommen. Er erhält diese Auszeichnung für sein “visionäres Unternehmertum in der Internet-Wirtschaft” und für die Digitalisierungsstrategie bei der Washington Post, die ihm ebenfalls gehört.

Bezos ‘Vision’ konzentrieren sich auf den Einsatz digitaler Technologie für die Ausbeutung, Überwachung und Disziplinierung der Beschäftigten bei Amazon. Seine Strategie wurde in den Büros wie in den Lager- und Versandzentren von Amazon umgesetzt.

Während Amazon behauptet, dass das Unternehmen sich um die Gesundheit seiner Beschäftigten kümmert, sieht die Realität anders aus: Schichtarbeit, ständig erhöhte Arbeitsraten, hohe Arbeitsintensität, permanente Kontrolle und ständiger Druck auf alle, die nicht die Ansprüche des Unternehmens erfüllen, machen uns krank.

Amazon ist auch bekannt für niedrige Löhne und prekäre Arbeitsverhältnisse. So werden viele von uns über Leiharbeitsfirmen oder mit befristeten Arbeitsverträgen eingestellt.

In den letzten Jahren haben sich ArbeiterInnen in vielen Ländern, darunter Deutschland, Polen, Spanien, Frankreich und Italien, organisiert, Verbesserungen eingefordert und mit Streiks und anderen Formen des Kampfes Druck aufgebaut.

Seit drei Jahren schließen wir uns grenz- und gewerkschaftsübergreifend zusammen – ein Versuch, den Druck auf Amazon durch den Zusammenschluss der ArbeiterInnen auf Basisebene zu erhöhen.

Am 24. April werden wir Jeff Bezos in Berlin zusammen mit der Kampagne “Make Amazon Pay” und anderen Gruppen gebührend empfangen.

Amazon setzt uns durch regelmäßige (negative) ‘feedback’-Gespräche über die Arbeitsleistung unter Druck, aber dieses Mal werden wir es sein, die Jeff Bezos ein angemessenes ‘feedback’ geben!

Wir rufen alle Beschäftigten von Amazon sowie Unterstützer dazu auf, sich unserer Demonstration und Kundgebung in Berlin anzuschließen.

  • 16 Uhr, Treffpunkt am Oranienplatz, Berlin-Kreuzberg
  • 16:30 Uhr, Demonstration vom Oranienplatz zum Axel-Springer-Haus in der Rudi-Dutschke-Straße
  • 18 bis 19:30 Uhr, Kundgebung vor dem Axel-Springer-Haus

Auch wenn du nicht nach Berlin fahren kannst, sprich bitte mit deinen Kollegen und Kolleginnen über die Aktion, gib diesen Flyer weiter, und sammel ‘Feedbacks’ für Bezos in eurem Versandzentrum und lass sie uns vor dem 24. April zukommen oder fülle einfach hier das Online-Feedback-Formular aus.

 

Hinweis auf notwendige Verbesserungen

Vor- und Nachname: Jeff Bezos

In letzter Zeit entsprachen Deine Arbeitsleistungen nicht den Erwartungen Deiner Beschäftigten. Deren respektvolle Behandlung ist für Dein Unternehmen von fundamentaler Bedeutung. Dieses Dokument enthält detaillierte Informationen über Deine Leistungen und erklärt, warum Du den Erwartungen nicht gerecht wurdest. Entsprechend werden wir Dir ein negatives Feedback geben und die Bedenken der Beschäftigten vorlesen, wenn du am 24. April 2018 in Berlin sein wirst.

 

Bezos_for_feedback

 

Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens von Amazon-ArbeiterInnen – Leipzig, 26. bis 28. Januar 2018

ArbeiterInnen aus fünf Amazon-Lagern in drei Ländern sowie UnterstützerInnen trafen sich in Leipzig zum sechsten Treffen dieser Art seit 2015.

Zunächst fuhren wir zum Amazon-Lager LEJ1 in Leipzig und verteilten Flugblätter mit dem Titel „Steht auf für unsere gemeinsamen Interessen!“

Während des anschließenden Treffens diskutierten wir, was seit dem letzten in Poznan im Frühjahr 2017 passiert war und planten neue gemeinsame Aktionen für 2018.

Ein wichtiges Thema der Diskussion war die Notwendigkeit, mehr an der Basis zu organisieren. Nach Jahren der Konfrontation mit Amazon hatten die TeilnehmerInnen den Eindruck, dass sie sich intensiver auf der betrieblichen Ebene um die Organisierung kümmern und gegen die Spaltung zwischen Gewerkschaftsmitgliedern, Nichtmitgliedern, Vertrauensleuten usw. vorgehen müssen – auch um sie alle für einen gemeinsamen Kampf zusammenzubringen.

Wir diskutierten auch die Erfahrungen der Make-Amazon-Pay-Kampagne in Deutschland. ArbeiterInnen aus Deutschland und Polen äußerten Kritik, weil die Aktion vor allem „von außen“ ablief. Es gab jedoch auch positive Einschätzungen, die betonten, dass solche Aktionen helfen, mehr Druck auf Amazon auszuüben.

Mehrere Aktionen sind für die nächsten Monate geplant:

  • Safe Package” ist eine Kampagne, die sich gegen die schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit durch die Erhöhung des Arbeitstempos, der Kontrollen und des Drucks, die hohen Arbeitsvorgaben zu schaffen, richtet. Sie wurde bereits im Sommer 2017 begonnen, mit „Safe Package“-Tagen und -Wochen in Amazon-Lagern in Polen, Deutschland und Frankreich. Auch 2018 wird die Kampagne weitergehen.
  • Wir entschieden, den Austausch über die vielen Gerichtsverfahren von ArbeiterInnen in allen teilnehmenden Ländern gegen Amazon zu vertiefen. Viele von ihnen drehen sich um Vorgaben, Abmahnungen und Entlassungen, und Amazon nutzt all dies, um die ArbeiterInnen noch mehr unter Druck zu setzen und GewerkschaftsaktivistInnen für ihren Kampf für bessere Bedingungen zu bestrafen.
  • Zwischen dem 10. und 12. März wird eine Gruppe von ArbeiterInnen aus Polen und Deutschland an öffentlichen Veranstaltungen zu den Bedingungen in Amazon-Lagern und ihre Erfahrungen teilnehmen. Die Veranstaltungen finden in Hamburg, Kiel und Bremen statt.
  • Am 24. April wird Amazon-Chef Jeff Bezos in Berlin einen Preis des Axel-Springer-Medienkonzerns empfangen, und es wird mobilisiert, um ihn gebührlich zu empfangen.
  • Wir werden unsere bereits etablierten Kontakte zu Amazon-ArbeiterInnen und ihren UnterstützerInnen in den USA, Spanien, Italien und Britannien weiter ausbauen.

Wie schon bei anderen grenzübergreifenden Treffen zuvor wirkten der gemeinsame Austausch, die Debatte und die drei zusammen verbrachten Tage motivierend. Wir konnten unsere Perspektive erweitern und waren in der Lage, konkrete Aktionen zu planen.

Diese seltene Erfahrung einer Basisorganisierung jenseits von Gewerkschaftsmitgliedschaften und über Ländergrenzen hinweg hilft uns bei den Aktivitäten in jedem Lager, und wir werden die gewonnenen Informationen und die Ergebnisse des Treffens mit den ArbeiterInnen dort teilen.

Das nächste Treffen wird Ende September diesen Jahres in Bad Hersfeld stattfinden.

Für mehr Informationen, die nächste Einladung, Neuigkeiten, Kontakt usw. siehe unseren Blog https://amworkers.wordpress.com.

Einladung zum Transnationalen Treffen der Amazon-Arbeiter*innen in Leipzig vom 26-28. Januar 2018

Amazon-Arbeiter_innen aus Deutschland, Polen und Frankreich laden zu einem grenzübergreifenden Treffen in Leipzig, Deutschland, ein, das vom 26. bis zum 28. Januar 2018 stattfinden wird.

Unser Netzwerk ist offen für alle Arbeiter_innen, unabhängig von Gewerkschafts-zugehörigkeit und Nationalität.

Das Treffen setzt den grenzübergreifenden Austausch fort, den Arbeiter_innen aus Amazons Warenlagern über ihre täglichen Bedingungen und ihren Widerstand seit 2015 führen. Dafür haben wir uns bereits mehrere Male in Deutschland, Polen und Frankreich getroffen.

Bei den ersten Treffen haben wir uns vor allem über die Arbeitsbedingungen bei Amazon und unsere Erfahrungen im Kampf ausgetauscht. Aus diesem Austausch sind bereits gemeinsame Aktionen entstanden: Verteilen von Flugblättern mit Forderungen der Kolleg*innen, Unterstützung von Streiks und Verbreitung von Informationen. Im April 2017 haben wir zudem die ‚Safe Package‘ Aktion entwickelt, bei der wir in verschiedenen FCs in Deutschland, Frankreich und Polen zum Dienst nach Vorschrift aufgerufen haben.

Wir sind jeden Tag über die Zirkulation von Waren verbunden., Wir müssen uns über die Arbeit, die Selbstorganisierung und über die Probleme austauschen, die wir mehr oder weniger alle haben: Prekäre Bedingungen, befristete Arbeitsverträge, Druck durch Arbeitsvorgaben und Feedbacks, ständige Kontrolle über Scanner und Computer und anderes mehr.

Liebe Docker, Shipper, Packer, Picker, Receiver, Stower! Es ist Zeit für ein „all hands“ – dieses Mal für uns selbst und nicht im Interesse der Firma! Wir wissen, dass wir den Kampf bei Amazon nur gewinnen können, wenn wir grenzübergreifend zusammenarbeiten.

Organisatorisches:

Vorläufiger Zeitplan:

Wir werden am Freitag, 26. Januar, um 14 Uhr mit einer gemeinsamen Aktion am FC in Leipzig beginnen;

um 18 Uhr wollen wir mit einem Austausch über die jeweiligen aktuellen Entwicklungen in den verschiedenen FC austauschen

am Samstag, 27. Januar, wird das Treffen um 9 Uhr beginnen und den ganzen Tag andauern; am Abend werden wir „Spaß haben und Geschichte schreiben“ (ohne Arbeit!);

am Sonntag, 28. Januar, werden wir am Morgen organisatorische Fragen besprechen. Das Treffen wird Sonntagmittag zu Ende sein.

Sprachen: Wir werden beim Treffen Polnisch, Deutsch, Französisch und Englisch sprechen. Alle Sprachen sind willkommen. Wir werden Dolmetscher einladen, damit alle teilnehmen können – schreibt uns, welche Sprachen ihr noch braucht.

Geld: Die Teilnahme am Treffen ist natürlich kostenlos.

Reisekosten: Da wir nur ein kleines Budget haben, versucht bitte zunächst anderweitig (z.B. von eurer Gewerkschaft) eine Finanzierung zu bekommen. Falls das nicht klappt, werden wir sehen, was wir machen können.

Unterkunft: Ihr könnt in einem Hostel übernachten. Wir können Reservierungen vornehmen, sobald Ihr euch für das Treffen angemeldet habt.

Anmeldung:

Meldet Euch bitte so bald wie möglich per Email an bei amaworkers(at)openmailbox.org. Schreibt uns bitte, ob ihr einen Hostelplatz, besonderes Essen, Kinderbetreuung oder irgendwas anderes braucht. Nach eurer Anmeldung bekommt ihr genaue Informationen zum Veranstaltungsort, dem Ablaufplan, zum Hostel und alles andere, was wichtig ist.

Weitere Informationen und diese Einladung in anderen Sprachen findet Ihr unter

https://amworkers.wordpress.com

Mit finanzieller Unterstützung der

Die Inicjatywa Pracownicza zu den letzten Lohnerhöhungen

Ende August fanden bei Amazon Betriebsversammlungen (sog. All-Hands) zum Thema Gehaltsspiegel statt. Dabei wurde uns mitgeteilt, dass der Grundlohn für die große Mehrheit der Lagerarbeiter_innen (Level 1) ab September um 1 Zloty auf 16 Zloty steigt. Auch die Zulagen für Betriebszugehörigkeit steigen: nach einem Jahr gibt es 17 Zloty, nach zwei Jahren 18 Zloty. Angesichts von zunehmend prekären Arbeitsverträgen und gestiegenen Nomen ist die Belegschaft mit diesen Lohnerhöhungen aber nicht zufrieden.

Seit diesem Jahr hat Amazon statt unbefristeter Verträge befristete Ein-Jahres-Verträge eingeführt. Angeblich zeigt sich darin Amazons „langfristige Politik, die darauf ausgerichtet ist, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“ – so drücken es die Vertreter der Firma auf dem Schwarzen Brett aus. Das bedeutet, dass die meisten Beschäftigten, besonders die Arbeiter und Arbeiterinnen der Leiharbeitsfirmen Adecco und Randstad, kaum eine Chance auf die Betriebszugehörigkeitszulage und auf einige andere Lohnzusätze haben. Schulungen bezahlt Amazon erst nach einem Jahr im Betrieb. Dabei kannst du ein halbes Jahr über eine Leiharbeitsfirma arbeiten, dann kommen drei Monate Probezeit und erst dann bekommst du den Ein-Jahres-Vertrag. Schon jetzt gibt es nur wenige Arbeiter_innen in Level 1, die seit zwei oder drei Jahren dabei sind.

In der letzten Zeit sind auch die Normen (Mindestziele) gestiegen. Im Lauf der letzten 12 Monate sind sie in einigen Bereichen (Prozesse: LP/Receive, Pack Multi, Returns) um 40 Prozent, in anderen (Pack Single, Receive, Geschenke) um 20-30 Prozent gestiegen. Die Lohnerhöhungen bleiben also weit hinter dieser Arbeitsverdichtung zurück.

Im Mai 2017 hat die Inicjatywa Pracownicza eine Umfrage unter den Arbeiter_innen durchgeführt, u.a. zum Thema Erwartungen an Lohnerhöhungen. Daraus entstand ein Forderungskatalog an den Arbeitgeber mit der Forderung nach 30 Prozent Lohnerhöhung und weiteren Zulagen. Amazon hat die Erwartungen der Arbeiter_innen nicht erfüllt. Wenn es um Lohnerhöhungen geht, ignoriert Amazon die Gewerkschaften und macht deutlich, dass die Firma nichts auf die Vertretung der Belegschaft gibt, sondern nur auf Marktforschungen. Zu den Einzelheiten dieser Marktforschungen haben die Beschäftigten gar keinen Zugang. Wir begreifen aber gut, dass nach dieser Logik unsere Löhne immer nur einen kleinen Tick höher sein sollen als bei der Konkurrenz. Bei der statistischen Konkurrenz – wir kennen aber Lagerbetriebe im Raum Poznań und Wrocław, wo bereits die Einstiegslöhne bei 18-20 Zloty in der Stunde liegen.

Als Vertreter der Belegschaft sind wir dagegen, dass die Höhe unserer Löhne durch so ein Verfahren festgelegt wird, völlig abgekoppelt von der Höhe der Gewinne, die wir für die Firma erwirtschaften. Wir werden weiter Lohnerhöhungen fordern. Inzwischen hat die ebenfalls bei Amazon, aber hauptsächlich in den Zentren in Wrocław aktive Gewerkschaft Solidarność am 1. September 2017 angekündigt, dass sie einen offiziellen Arbeitskampf beginnen werden, wenn Amazon die Löhne nicht um 30 Prozent erhöht. Als Inicjatywa Pracownicza unterstützen wir diese Forderung und erklären hiermit, dass wir alle Initiativen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstützen werden.

Wir als Gewerkschaftskommission der Inicjatywa Pracownicza bei Amazon befinden uns schon seit Juni 2015 in einem offiziellen Arbeitskampf. Wir haben bereits den kompletten Prozess von Lohnverhandlungen und Schlichtungen mitgemacht. Wir sind uns allerdings bewusst, dass Verhandlungen hinter verschlossenen Türen mit Amazon nicht ausreichen, um den Konzern zu Zugeständnissen zu zwingen. Für Lohnerhöhungen ist Druck von Seiten der Gewerkschaft, der Beschätigten und des Arbeitsmarkts nötig – je größer der Druck, desto größer die Chance, dass sich die Situation für uns alle verbessert.

Deshalb rufen wir zusammen mit Amazon-Beschäftigten aus anderen europäischen Ländern zu einem Internationalen Aktionstag am 24. November 2017 auf – unter der Parole „Make Amazon Pay“, d.h. „Amazon muss zahlen“. An diesem Tag, dem Black Friday, plant Amazon eine riesige Verkaufsaktion. Für den Aktionstag ist u.a. eine Blockade des Amazon-Distributionszentrums in Berlin geplant (siehe https://blackfriday.blackblogs.org). Zu unseren Plänen schreiben wir demnächst mehr!

OZZ Inicjatywa Pracownicza Amazon

(polnisches Original: http://ozzip.pl/teksty/informacje/ogolnopolskie/item/2296-inicjatywa-pracownicza-amazon-o-ostatnich-podwyzkach)

Amazon – ohne Kampf wirst du niemals mehr bekommen

Der Juli ist für hunderttausende Amazon-Arbeiter_innen ein sehr intensiver Monat. Dann feiert die Firma ihren Geburtstag mit riesigen Verkaufsaktionen. Der Höhepunkt findet Mitte Juli statt und nennt sich Prime Day.

Der Konzern bereitet sich schon seit Anfang Juli auf dieses Event vor. In den ersten beiden Juliwochen herrschen für die Beschäftigten Urlaubssperre, verlängerte Schichten (bis zu 52 Wochenstunden) und noch mehr Arbeitsdruck. Zusätzlich findet ein Produktivitätswettbewerb zwischen den Amazon-Zentren (Fulfillment Centers) auf der ganzen Welt statt, bei dem neue Versandrekorde angestrebt werden. Die Manager können bei dieser Gelegenheit riesige Prämien verdienen, für die normalen Arbeiter_innen gibt es nur noch mehr Produktivitätsdruck, verstärkte Kontrolle und unglaubliche Erschöpfung.

Amerikanische Analysten schätzen, dass Amazon im letzten Jahr am Prime Day bis zu 600 Mio. Dollar umgesetzt hat. Gerade wurde Jeff Bezos mit einem Vermögen von 90 Mrd. Dollar zum reichsten Menschen der Welt erklärt. Die Arbeiter_innen in Polen dagegen bekamen für die Arbeit während der Sommer-Aktionen eine symbolische Anwesenheitsprämie in Höhe von 150 Zloty [35 Euro] brutto, die sie motivieren sollte, regelmäßig zur Arbeit zu kommen.

Die Lohnunterschiede zwischen den Arbeiter_innen in der untersten Lohngruppe 1 und den Managern und Vorständen sind so groß, dass sie unausweichlich zu Konflikten führen. Zusätzlich werden in der Sommerzeit Entscheidungen über Lohnerhöhungen getroffen. In Frankreich finden dann gesetzlich vorgeschriebene Verhandlungen über Lohnerhöhungen statt. In Polen allerdings stellt Amazon dann seinen regionalen Gehaltsspiegel fertig: eine Untersuchung des Lohnniveaus in ausgewählten Betrieben und Branchen sowie der Situation auf dem lokalen Arbeitsmarkt, die der Firma als Grundlage für Entscheidungen über etwaige Lohnerhöhungen dient. Auf diese Art und Weise rechnen auch andere Unternehmen ihre Löhne aus. Es geht ihnen dabei nicht darum, welche Gewinne die Arbeiter_innen erwirtschaften, sondern um die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte und die Löhne in nahegelegenen oder ähnlichen Betrieben. Damit werden Ungleichheiten verfestigt. Als Antwort auf den Gehaltsspiegel haben wir als OZZ Inicjatywa Pracownicza eine Fragebogenaktion im Betrieb gemacht und daraus eine Forderungsliste an das Management erstellt. Zu den Forderungen gehören u.a.: Erhöhung des Grundlohns um 30 Prozent, Einführung eines 13. Monatsgehalts wie in Frankreich, Einführung einer höheren Betriebszugehörigkeitszulage wie in Deutschland, Urlaubsgeld aus dem betrieblichen Sozialfonds. Die Forderungen waren auch ein Thema beim kürzlichen Treffen der OZZ IP mit Amazon-Vertretern.

Nicht nur die Löhne sorgen für Streit zwischen Arbeiter_innen und Konzernführung. Amazon verschärft permanent die Disziplinierung und Kontrolle der Arbeiter_innen, um aus ihnen so viel Arbeit wie möglich zu möglichst niedrigen Kosten herauszuholen. In Polen wurde im April ein sogenanntes „Hausbesuchsprogramm“ zur Kontrolle von krankgeschriebenen Arbeiter_innen eingeführt. Arbeiter_innen mit angeschlagener Gesundheit sollen so einschüchtert werden, dass sie sich nicht krankschreiben lassen. Außerdem wird in einigen Abteilungen versucht, die Kontrolle über Toiletten- und Pausengänge auszuweiten, die sogenannte „time off task“, d.h. die Zeit, in der man keine vom Computersystem registrierbaren Tätigkeiten wie das Scannen von Artikeln ausführt. Wenn diese Zeit länger als 3 Minuten dauert, wird sie vom System registriert, berechnet und als zusätzliche Pause interpretiert, d.h. als Verstoß gegen die Arbeitsvorschriften. Das passiert sogar, wenn ein Arbeiter länger als 3 Minuten beschädigte Anlagen repariert oder die aktuelle Bestellung und Artikel prüft. Gleichzeitig hat die Firma seit Jahresbeginn die Einstellungsbedingungen verschlechtert. Früher schafften einige Leute es, nach einem halben Jahr Beschäftigung über Leiharbeitsfirmen und einer dreimonatigen Probezeit einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Jetzt muss man zusätzlich ein Jahr mit einem befristeten Vertrag arbeiten. Das verlängert die Zeit der prekären Beschäftigung von knapp einem Jahr auf fast zwei Jahre, wobei Arbeiter_innen es insgesamt durchschnittlich drei Jahre bei Amazon aushalten, wenn sie nicht schon vorher entsorgt werden. Als Inicjatywa Pracownicza haben wir gefragt, aus welchem Grund diese verschiedenen Probeverträge eingeführt wurden. Die Antwort der Personalabteilung lautete: „Grund der Änderung ist unsere langfristige Politik und die Situation auf dem Arbeitsmarkt.“ Andererseits behauptet Amazon, seine langfristige Politik beruhe auf „der Sicherstellung eines stabilen Arbeitsumfeldes, dem Aufbau von Beziehungen zu den Kunden und der lokalen Gemeinschaft und darauf, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“. Amazon ist schon eine ganz spezielle Firma, wenn sie Beziehungen zur lokalen Gemeinschaft dadurch aufbaut, dass sie die prekäre Beschäftigung ausweitet. Wieso die Einführung von auf ein Jahr befristeten Probeverträgen Amazon zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen soll, bleibt wohl ein Geheimnis.

Das restriktive Managementsystem und die prekären Bedingungen in Verbindung mit den niedrigen Löhnen treffen bei den Beschäftigten auf Widerstand, erst recht während intensiver Verkaufsaktionen wie dem Prime Day im Juli. Zu Beginn der Sommersaison ging erneut eine Welle von Streiks durch die deutschen Amazon-Zentren. Bei der Gewerkschaft Verdi organisierte Arbeiter_innen in Leipzig, Augsburg, Bad Hersfeld, Rheinberg und Werne forderten den Abschluss eines Tarifvertrags, der höhere Löhne für sie bedeuten würde. Streiks gab es auch in Frankreich. In der Gewerkschaft Sud Solidaires organisierte Arbeiter_innen im FC Orléans bei Paris forderten bessere Arbeitsbedingungen, feste Verträge und höhere Löhne. Auf die Entlassung einer Aktivistin des Gewerkschaftsverbands CGT antworteten die Gewerkschaften mit einer Kampagne gegen Repressionen und mit Protesten vor dem Betrieb. Im Zentrum von Poznań klebte eine Unterstützer_innengruppe Plakattafeln, die die ungleiche Verteilung der Gewinne im Konzern anprangern. Vor einer der Plakattafeln haben wir eine Pressekonferenz abgehalten, um die Öffentlichkeit über die Situation und die Konflikte in den polnischen und ausländischen Amazon-Zentren und über die Forderungen zu informieren, die wir vor einigen Tagen an die Firma gerichtet haben.

Arbeite nicht zu schnell, sondern sicher!

Neben den lokal organisierten Aktivitäten ist es uns gelungen, in der Zeit der heißesten Verkaufskampagne zusammen mit bei der Gewerkschaft Sud Solidaires organisierten Arbeiter_innen in Orléans bei Paris (ORY1) und mit Aktivist_innen aus Leipzig (LEJ1) die gemeinsame Aktion „Safe Package“ zu organisieren. Ziel der Aktion war es, auf das Thema Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter_innen aufmerksam zu machen – ein Thema, das in Hochbetriebszeiten aufgrund von „betrieblichen Anforderungen“ ignoriert wird. Zusätzlich benutzen die Chefs die Arbeitssicherheitsvorschriften gerne gegen die Arbeiter_innen, um die Hierarchien im Betrieb zu stärken, die Verantwortung für Arbeitsunfälle auf ihre Untergebenen abzuschieben, diese zu kontrollieren und zu disziplinieren (wegen Gewerkschaftsarbeit zu schikanieren, zu bestrafen, wenn sie sich während der Arbeit ausruhen wollen oder sonst irgendwie versuchen, sich das Leben im Betrieb leichter zu machen). Sie tun so, als würden sich um die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter_innen kümmern. In Wirklichkeit benutzen sie das Thema Arbeitssicherheit, um den Druck zu erhöhen und sich um die wirtschaftliche Lage des Betriebs zu kümmern. Deshalb haben wir in den Zentren in Orléans, Leipzig und Polen ein gemeinsam geschriebenes Flugblatt verteilt, in dem wir daran erinnern, was wirklich hilft, die körperliche Gesundheit der Arbeiter_innen zu schützen: regelmäßig Wasser trinken und auf Toilette gehen, die gesamte Pausenzeit zur Erholung nutzen, keine überschweren Gegenständen tragen, überfüllte Förderbänder melden, nicht an unzureichend eingerichteten Arbeitsplätzen arbeiten, Hast und Routine vermeiden usw.

Als Antwort auf die Aktion „Safe Package“ sah sich das Management des französischen Zentrums genötigt, öffentlich zu erklären, es ergreife Maßnahmen, um die Gesundheit der Arbeiter_innen zu fördern. In Polen wurden die Schichtleiter gezwungen, offiziell an Prinzipien wie das regelmäßige Wassertrinken zu erinnern, die natürlich des öfteren dazu führen, dass man in einen anderen Teil der Halle gehen muss, statt schnell zu arbeiten. Letztlich hat das Logistikzentrum in Poznań es dieses Jahr nicht geschafft, wie erhofft einen neuen Versandrekord aufzustellen. Ursache waren nicht nur die vom Flugblatt ausgelösten Diskussionen über die Arbeitssicherheit, sondern vor allem eine Reihe von organisatorischen Fehlern des Managements und ein hoher Krankenstand. Trotz allem hat die Aktion „Safe Package“ Amazon dazu gezwungen, Stellung zum von den Arbeiter_innen auf die Tagesordnung gesetzten Thema zu beziehen. Sogar kleine symbolische Aktivitäten, die die aus der Aufteilung in verschiedene Betriebe in verschiedenen Länder resultierenden Spaltungen überwinden helfen, sind für die Firma ein Signal, das sie nicht ignorieren kann.

Gemeinsam sind wir stärker!

Nach der Aktion schrieben Arbeiter_innen aus Leipzig in einem Brief an die anderen teilnehmenden Amazonier_innen: „Unsere entgeltlichen Bedingungen sind sehr unterschiedlich, aber EINES eint uns: Unsere Arbeitsbedingungen! […] Diese gemeinsame Basis ist auch die Grundlage für gemeinsame Aktionen. Lasst uns weiter gemeinsam kämpfen, für gesunde und fair bezahlte Arbeit! Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Aktionen oder sogar Streiks!“

Amazon beschäftigt weltweit fast 400.000 Arbeiter_innen in hunderten von Zentren. Diese Zahl steigt von Jahr zu Jahr um mehrere zehntausend. Die meisten sind in der untersten Lohngruppe 1. Wir leben in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichem Arbeitsrecht, sprechen unterschiedliche Sprachen, haben unterschiedliche Hautfarben, unterliegen unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen. Trotz dieser Spaltungen haben wir aber miteinander mehr gemeinsam als mit denen, die uns verwalten: Teamleadern, Managern, Personalabteilung. Viele von uns rechnen sich einen Aufstieg aus, wenn sie sich dem Arbeitsregime des Managements unterwerfen, wenn sie loyal nicht gegenüber den anderen Arbeiter_innen, sondern gegenüber den Vorgesetzten sind. Leider bleibt ein Aufstieg nur wenigen vorbehalten und ist meist auch noch mit der unangenehmen Pflicht verbunden, seine ehemaligen Kollegen zu disziplinieren und zu bespitzeln. Statt uns für einen höchst ungewissen individuellen Erfolg spalten zu lassen, können wir gemeinsam Stärke zeigen und die Arbeitsbedingungen und Löhne für alle verbessern. Was uns verbindet, sind die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, die Rolle, die wir in unseren Betrieben spielen, und das, wonach wir uns sehnen: ein würdiges Leben in Selbstbestimmung.

Amazon weiß, wie es unsere Beziehungen untereinander ausnutzen kann, um uns gegeneinander auszuspielen. In einer Erklärung sagte der Konzern, die Streiks hätten keinen Einfluss auf die Einhaltung seines „Versprechens an die Kunden“ im Rahmen des Prime Day. Die Logistikzentren in Deutschland und ganz Europa hätten sich auf die Protestaktionen vorbereitet und ihre Lagerbestände entsprechend aufgestockt. Mit Unterstützung der übrigen 31 Zentren in ganz Europa würden die Kunden „den gewohnten schnellen und guten Service“ bekommen. Wir müssen lernen, das, was uns bei unserer täglichen Arbeit verbindet, gegen Amazon zu wenden. Mit gemeinsamen Kräften haben wir den Firmengründer zum reichsten Menschen der Welt gemacht. Sicherlich könnten wir unsere Zusammenarbeit auch so organisieren, dass der Reichtum, den wir erarbeiten, uns selbst und unseren eigenen Bedürfnissen zugute kommt. Wenn wir gemeinsam kämpfen – gegen die ständige Kontrolle, dagegen, als Anhängsel der Maschinen behandelt zu werden, für höhere Löhne und für sichere Arbeitsbedingungen -, dann können wir unser eigenes Leben und das Leben der Menschen, die und wichtig sind, dauerhaft verbessern.

Betriebsübergreifende Kommission der OZZ IP bei Amazon Poznań