Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens April 2017

Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens von Amazon-Arbeiter_innen  in Poznań am 21.–23. April 2017

Nach wie vor setzt Amazon alles daran, seine Arbeiter_innen in den Warenlagern und Versandzentren unter Bedingungen zu beschäftigen, die sie krank machen und in wenigen Jahren verschleißen.

In Polen hat das restriktive Arbeitsrecht 2016 einen Streik bei Amazon verhindert, für den bei der Streikurabstimmung über 2000 Beschäftigte gestimmt hatten. Nun werden Arbeiter_innen, die sich wehren, dort mit Kündigungen wegen angeblich schlechter Leistung und wegen Krankheit aus dem Betrieb gedrängt.

In Frankreich versucht Amazon, faktische Lohnsenkungen gegen die Arbeiter_innen durchzusetzen.

Auch in Deutschland werden Amazon-Arbeiter_innen wegen Krankheit gekündigt, zur Unterzeichnung von Aufhebungsverträgen gedrängt oder ihre befristeten Verträge nicht verlängert. Die von der Gewerkschaft Ver.di organisierten Streiks gehen zwar weiter, aber ohne dass sie tarifvertragliche Absicherungen durchsetzen konnten.

In allen Fällen beweist das Amazon-Management, das erst letztes Jahr Rekordgewinne verzeichnen konnte, dass es Arbeiter_innen nur als Mittel zur Gewinnmaximierung betrachtet.

Der Widerstand an kämpferischen und streikbereiten Amazon-Standorten bleibt schwierig, denn solange der Widerstand nicht eine gewisse internationale Breite gewinnt, kann das global agierende Unternehmen die Bearbeitung von Bestellungen in andere Warenlager und Länder verschieben und dadurch Streikwirkungen ausweichen.

Ein effektiver Kampf bei und gegen Amazon muss deshalb über die Grenzen hinweg geführt und koordiniert werden und dabei die verschiedenen Erfahrungen der Arbeiter_innen berücksichtigen.

Vom 21. bis 23. April trafen sich deshalb in Poznań Amazon-Arbeiter_innen und Unterstützer_innen aus Polen, Frankreich und Deutschland, um ihre Erfahrungen auszutauschen.

Wie schon bei vorherigen Treffen 2015 und 2016 spielten Gewerkschaftsmitgliedschaften oder -mandate keine Rolle, weil es den Beteiligten um eine selbstorganisierte Kommunikation jenseits hierarchischer Organisationsstrukturen geht.

Noch mehr als bei den Treffen 2015 und 2016 lag der Fokus diesmal auf gemeinsamen Strategien zur Gegenwehr. Aufgrund der großen Unterschiede im Lohnniveau und der rechtlichen Situation zwischen den Länderstandorten sind die naheliegendsten gemeinsamen Bezugspunkte nicht Tarifverträge oder Lohnforderungen, sondern die despotischen und krankmachenden Arbeits- und Gesundheitsbedingungen, mit denen alle Amazon-Beschäftigten unabhängig vom Standort konfrontiert sind.

Die Teilnehmer_innen entschieden, diese Bedingungen zum Thema einer gemeinsamen Kampagne „Amazon macht uns krank!“ zu machen und an Aktionstagen Druck auf Amazon auszuüben, damit sich die Lage verbessert.

Poznań, April 2017

Grenzübergreifendes Treffen von Amazon-Arbeiter_innen

Amazon-Arbeiter_innen aus Deutschland, Polen und Frankreich laden zu einem grenzübergreifenden Treffen in Poznań, Polen, ein, das vom 21. bis zum 23. April 2017 stattfinden wird.

Das Treffen setzt den grenzübergreifenden Austausch fort, den Arbeiter_innen aus Amazons Warenlagern über ihre täglichen Bedingungen und ihren Widerstand führen. Seit 2015 haben wir uns mehrere Male in Deutschland, Polen und Frankreich getroffen.

Dieser Austausch hat bereits gemeinsame Aktionen gefördert: Verteilen von Flugblättern mit Forderungen der Kolleg_innen, Unterstützung von Streiks, Verbreitung von Informationen über die Medien… sowie Antrieb und Ermächtigung für alle Beteiligten.

Unser Netzwerk ist offen für alle Arbeiter_innen, unabhängig von Gewerkschaftsabzeichen und Nationalität.

Wir sind jeden Tag über die Zirkulation von Waren verbunden, und wir müssen unsere Ansichten teilen, über die Arbeit, die Selbstorganisierung und über die ähnlichen Probleme, die wir haben: prekäre Bedingungen, befristete Arbeitsverträge, Druck durch Arbeitsvorgaben und Feedbacks, ständige Kontrolle über Scanner und Computer und anderes mehr.

Liebe Docker, Shipper, Packer, Picker, Receiver, Stower! Es ist Zeit für ein „all hands“ – dieses Mal um unser selbst willen und nicht im Interesse der Firma! Wir wissen, dass wir den Kampf bei Amazon nur über die Grenzen hinweg gewinnen können.

Organisatorisches:

Zeitplan: Wir werden am Freitag, 21. April, um 19 Uhr mit einem offenen Treffen beginnen; am Samstag, 22. April, wird das Treffen um 9 Uhr beginnen und den ganzen Tag andauern; am Abend werden wir „Spaß haben und Geschichte schreiben“ (ohne Arbeit!); am Sonntag, 23. April, werden wir am Morgen organisatorische Fragen besprechen. Das Treffen wird Sonntagmittag zu Ende sein.

Sprachen: Wir werden beim Treffen Polnisch, Deutsch, Französisch und Englisch sprechen. Alle Sprachen sind willkommen. Wir werden Dolmetscher einladen, sodass alle teilnehmen können.

Geld: Die Teilnahme am Treffen ist natürlich kostenlos, aber wir werden Spenden einsammeln für Essen und Getränke.

Unterkunft: Ihr könnt in Herbergen/Hostels übernachten (für etwa 5 Euro pro Nacht). Wir können Reservierungen vornehmen, sobald Ihr euch für das Treffen angemeldet habt. Informationen über die Herberge, den Ort, an dem das Treffen stattfinden wird usw. schicken wir Euch nach Eurer Anmeldung.

Anmeldung:
Meldet Euch bitte so bald wie möglich per Email an bei amaworkers(at)openmailbox.org

Mehr Informationen und diese Einladung in anderen Sprachen findet Ihr unter

https://amworkers.wordpress.com

Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Amazon-Arbeiter_innen-Treffens

Vom 18. bis 20. Februar trafen sich in Berlin Amazon-Arbeiter_innen aus Deutschland und Polen zum grenzübergreifenden Austausch. Mit dabei waren Kolleg_innen aus drei deutschen Versandzentren (Bad Hersfeld, Leipzig, Brieselang) sowie aus dem Versandzentrum im polnischen Poznań, gemeinsam mit solidarischen Unterstützer_innen aus lokalen Solidaritätskreisen.

Das Treffen in Berlin war das dritte seiner Art: Kolleg_innen aus verschiedenen Ländern tauschen sich direkt untereinander aus, unabhängig von ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit, von Angesicht zu Angesicht. Dabei mischten sich zwei Stimmungen: die gemeinsame Wut gegen die Atmosphäre der Angst, des Mobbings, der Normen und Zielzahlen – aber auch die gemeinsame Überzeugung, dass dieser Kampf gegen den multinationalen Konzern Amazon gewonnen werden kann.

Die Solidarität war von Anfang an spürbar: Den Auftakt des Treffens bildete eine öffentliche Veranstaltung gegen prekäre Arbeitsbedingungen, an denen auch Kolleg_innen aus anderen Branchen teilnahmen (u.a. öffentlicher Nahverkehr, Botanischer Garten, Gastronomie). Das zeigte, dass die systematische Prekarisierungspraxis von Amazon auch in anderen Branchen immer weitere Ausdehnung findet.

Dieser Austausch von Erfahrungen über betriebliche und nationale Grenzen hinweg beflügelte auch die folgenden zwei, in denen im Kreis der Amazon-Kolleg_innen intensiv diskutiert wurde, wie der Austausch und die Kommunikation verbessert und weitere Schritte in der Auseinandersetzung mit Amazon gegangen werden können. Denn die internationale Vernetzung und die Koordination gemeinsamer Aktionen ist eine notwendige Voraussetzung dafür, die Forderungen der Arbeiter_innen durchzusetzen. In Deutschland kämpfen die Beschäftigten seit drei Jahren für einen Tarifvertrag; in Polen setzen sich die Arbeiter_innen u.a. für Lohnerhöhungen, bessere Schicht- und Pausenregelungen, gegen die steigenden Normen und gegen Leiharbeit ein. Dieser praktische Internationalismus, der sich auch gegen Standortnationalismus und Rassismus, richtet, war bei dem Treffen präsent.

Das dritte deutsch-polnische Arbeite_innen-Treffen zeigt die Fortschritte direkten Austausches. Nun arbeiten wir auf die Ausweitung mittels Besuchen in anderen Versandzentren sowie auf gemeinsame Aktionen und Streiks hin.

Den Anfang macht eine Aktion am 1. März im Rahmen eines europaweiten Aktionstages: Arbeiter_innen aus Polen und Deutschland nehmen gleichzeitig an lokalen Aktionen teil, u.a. gegen die Leiharbeitsfirmen Manpower, Adecco und Randstad, die vor allem bei Amazon in Polen sehr aktiv sind.

Diese internationalen Initiativen sollen in den kommenden Monaten noch ausgeweitet werden. Bis zum nächsten internationalen Treffen, welches voraussichtlich im September in Leipzig stattfinden wird, sind noch weitere kleine Treffen (zum Beispiel im Sommer in Wroclaw) geplant.

Berlin, Februar 2016

Internationales Treffen der Amazon-Arbeiter/innen Februar 2016

18. bis 21. Februar 2016 in Berlin

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach dem erfolgreichen Treffen im September im polnischen Poznan laden Arbeiterinnen und Arbeiter von Amazon aus Polen und Deutschland erneut zum Treffen und zum Austausch ein — dieses Mal vom 18. bis 21. Februar 2016 in Berlin.

Der Arbeitskampf bei Amazon in Deutschland hat in den letzten Wochen und Monaten wieder an Fahrt aufgenommen — dutzende kleine und große Streiks vor und im Weihnachtsgeschäft zeigen die weiterhin große Kampfbereitschaft der Belegschaft. Auch in Polen stehen Arbeitskämpfe vor der Tür, nachdem das Management von Amazon die Schlichtung abgebrochen hat.

Im Anschluss an den direkten Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen im September findet nun im Februar das nächste Treffen in Berlin statt, um den Austausch über Arbeitsbedingungen weiterzuführen. Dieser Informationsaustausch ist zentral, denn Amazon verbreitet immer wieder gezielt Falschinformationen. Doch es soll auch darum gehen, über den weiteren Kampf zu diskutieren und gemeinsame Aktionen zu planen. Denn der Kampf bei Amazon ist nur international zu gewinnen.

Sprachen

Wir werden Polnisch, Deutsch, Französisch und Englisch sprechen und alle Sprachen sind willkommen. Wir laden viele Übersetzer/innen ein.

Organisatorisches

Kosten und Übernachtung werden noch geklärt und hängen unter anderem von der Zahl der festen Zusagen ab.

Anmeldung: Internationales.Treffen@googlemail.com

Weitere Infos:
https://amworkers.wordpress.com/

Schlusserklärung

Internationales Treffen der Amazon-Arbeiterinnen und -Arbeiter

Poznan, 11. bis 13. September 2015

Wir – Arbeiterinnen und Arbeiter von Amazon in Polen und Deutschland sowie Unterstützerinnen und Unterstützer – haben uns drei Tage lang in Poznan getroffen. Es war das zweite Treffen nach einem in Bad Hersfeld im Frühjahr dieses Jahres. Die Treffen werden von den teilnehmenden Arbeiterinnen und Arbeitern von Amazon selbst und unabhängig von der jeweiligen Gewerkschaft organisiert. Wir sind ein Solidaritätsnetzwerk, dass Antworten auf die Strategien von Amazon sucht und den Kampf für die gemeinsamen Interessen koordiniert.

Dieses Mal haben wir vor Amazons Logistikzentrum in Poznan-Sady Flugblätter verteilt, eine öffentliche Veranstaltung mit Vorträgen zur Situation bei Amazon in Poznan, Bad Hersfeld und Brieselang abgehalten und eine Kundgebung und Interviews mit Medien organisiert. Danach haben wir auf dem Treffen der Arbeiterinnen und Arbeiter die Situation in den verschiedenen Amazon- Lagern diskutiert und gemeinsame Aktionen besprochen, mit denen wir die Arbeitsbedingungen in Zukunft verbessern können.

Unser Austausch ergab, dass Amazon-Arbeiterinnen und -Arbeiter in verschiedenen Ländern denselben Problemen gegenüberstehen – niedrige Löhne, steigende Leistungsvorgaben, hoher Arbeitsdruck, der die Gesundheit gefährdet, Amazons Beschäftigungspraxis des Heuerns und Feuerns usw. Gegenüber Forderungen der Arbeiterinnen und Arbeiter setzt Amazon in allen Ländern auf ähnliche Strategien, zum Beispiel Drohung mit Entlassung, Druck auf Gewerkschaftsaktivisten und -aktivistinnen und Amazons Weigerung, in Verhandlungen Zugeständnisse zu machen.

Für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Treffens ist klar, dass wir kollektiv reagieren müssen – gemeinsam in verschiedenen Lagern und Ländern –, wenn wir Verbesserungen durchsetzen wollen. Amazon wird uns in Zukunft nicht mehr gegeneinander ausspielen können, wenn wir uns zusammenschließen und an der Basis, von Arbeiterin zu Arbeiter, vernetzen.

Der grenzübergreifende Austausch über das Treffen der Amazon-Arbeiter/innen kann Arbeiter und Arbeiterinnen motivieren, mobilisieren und ermächtigen, auch wenn diese (noch) nicht direkt beteiligt sind. Ein Beispiel ist der selbstorganisierte Bummelstreik im Amazon-Lager in Poznan gegen Überstunden, der die Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen ausdrückte und ein klares Signal der Solidarität mit dem Streik der Amazon-Arbeiterinnen und -Arbeiter in Deutschland war, der am selben Tag Ende Juni stattfand.

Wir sind entschlossen, uns auch der Repression von Amazon entgegenzustellen. Arbeiter von Amazon in Italien wollten an unserem Treffen teilnehmen, aber einer von ihnen wurde kurz vorher entlassen, sodass sie auf diesen Angriff reagieren mussten und nicht teilnehmen konnten. Wir erklären uns mit diesen Arbeitern solidarisch und sind froh, dass sie entschlossen sind, in Zukunft an unserem Austausch und unseren gemeinsamen Aktionen teilzunehmen!

Zum nächsten Treffen, das rechtzeitig auf https://amworkers.wordpress.com angekündigt werden wird, laden wir nicht nur Arbeiterinnen und Arbeiter aus Italien, sondern auch die aus dem neuen Amazon-Lager in der nähe von Prag, Tschechien, und die anderer Lager in Europa ein.

In Poznan haben alle Anwesenden ihre Absicht bekräftigt, in Zukunft gemeinsame, grenzübergreifende Aktionen zu organisieren. Nur wenn unser Kampf von Arbeitern und Arbeiterinnen selbst geführt wird, in unserem Lager verwurzelt ist und mit anderen koordiniert wird, wenn er eine klare Strategie hat und für Amazon nicht vorhersehbar ist, werden wir eine Chance haben zu gewinnen!

Brief der Inicjatywa Pracownicza

Brief der Gewerkschaftssektion der Inicjatywa Pracownicza an die Kollegen in Deutschland

Der Konflikt zwischen Belegschaft und Arbeitgeber bei Amazon in Poznan schwelt bereits seit einigen Monaten. Schon vor geraumer Zeit haben die in der Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza [ip – Arbeiterinitiative] organisierten Arbeiterinnen und Arbeiter auf etliche Probleme aufmerksam gemacht. Hunderte von Arbeiterinnen und Arbeitern haben Petitionen gegen Sonntagsarbeit, steigende Normen, zu niedrige Löhne und zuletzt gegen Änderungen der Arbeitszeit unterschrieben.

Am 24. und 25. Juni lief das Fass über, als die Schichten von zehn auf elf Stunden verlängert wurden, während die Belegschaften in den deutschen Amazon-Zentren streikten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in Poznan waren über diesen Streik im Bilde, da die IP im Betrieb Flugblätter verteilt hatte, in denen sie die Forderungen von Ver.di, der Gewerkschaft der deutschen Amazon-Arbeiter, vorstellten. Am schwarzen Brett der IP hingen auch Bilder von Streikkundgebungen in Deutschland. Die VertreterInnen der IP trugen in Poznan Streik-T-Shirts mit dem Slogan „Pro Amazon mit Tarifvertrag“, die sie von Ver.di-Aktivisten erhalten hatten (der Tarifvertrag ist die Hauptforderung der Streikenden). Auf Straßenbrücken in Sady [dem Vorort von Poznan, in dem das Amazon-Lager steht] wurden Transparente aufgehängt, auf denen zu lesen war: „Wir unterstützen die Streiks bei Amazon in Deutschland.“

In der Nachtschicht vom 24. auf den 25. Juni beschloss ein Teil der Belegschaft in Poznan (während der elften, wegen des Streiks in Deutschland angesetzten Arbeitsstunde) spontan seine Solidarität zu zeigen und seine Unzufriedenheit mit den allgemeinen Arbeits und Lohnbedingungen bei Amazon in Poznan durch langsameres Arbeiten auszudrücken. Andere weigerten sich, während des Streiks in Deutschland zu arbeiten, und reichten kurzfristig Urlaub ein, um nicht zum Streikbrecher zu werden.

Wir kennen nicht die jeweiligen Gründe aller an den Ereignissen in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni Beteiligten. Die Ursache für die spontane Reaktion und dafür, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter die Dinge in die eigenen Hände genommen haben, sehen wir jedoch in der arbeiterfeindlichen Politik von Amazon und in der Tatsache, dass der Arbeitgeber die bisherigen Forderungen der Arbeiterinnen und Arbeiter in Poznan ignoriert hat.

Nach den Protesten wurden in den letzten Tagen eine Reihe von Disziplinargesprächen durchgeführt. Dabei wurden bisher mindestens fünf Arbeiter und Arbeiterinnen (vor allem Frauen aus der Abteilung Pick) von der Arbeit freigestellt (bei Lohnfortzahlung). Dazu hat die Inicjatywa Pracownicza am 25. Juni folgende Erklärung herausgegeben:

„Nachdem die Betriebsübergreifende Kommission der OZZ Inicjatywa Pracownicza durch Arbeiter von der Freistellung von mindestens vier Arbeitern erfahren hat, verlangen wir Aufklärung über die Gründe. Soweit uns bisher bekannt ist, steckt hinter diesen Aktionen einzig und allein der Versuch des Arbeitgebers, Druck auf die Belegschaft auszuüben, welche spontan ihre Unterstützung für den Streik bei Amazon Deutschland und die Forderungen unserer deutschen Kolleginnen und Kollegen gezeigt hat. Repressionen werden die Stimmung in der Poznaner Belegschaft von Amazon aber nicht beruhigen, sondern den schwelenden Konflikt erst recht anheizen. Daher fordern wir das Management auf, die Freistellung der Amazon-Arbeiter und -Arbeiterinnen zurückzunehmen und mit der OZZ Inicjatywa Pracownicza Gespräche über die Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen aufzunehmen.“

Am 28. Juni wurde eine weitere Arbeiterin freigestellt. Von anderen Arbeitern haben wir erfahren, dass bei anderen Disziplinargesprächen mit Vertretern des Managements den teilnahmeberechtigten Mitgliedern der IP die Anwesenheit verweigert wurde. Die IP fordert den sofortigen Stopp dieser ungesetzlichen und gegen die Interessen der Gewerkschaftsmitglieder gerichteten Aktionen.

Unter dem Eindruck der Protestaktionen und der Reaktion von Amazon sind der IP übrigens in den letzten Tagen mehr als dreißig weitere Arbeiterinnen und Arbeiter beigetreten.

Die Inicjatywa Pracownicza spricht den laufenden und zukünftigen Streiks unserer in der Gewerkschaft Ver.di organisierten Kolleginnen und Kollegen bei Amazon Deutschland ihre Unterstützung aus. Wir fordern von Amazon in Polen die Rücknahme der Freistellungen und die Beendigung der Einschüchterung der Belegschaft. Andernfalls sind wir zu Protestaktionen gezwungen. Wir fordern die polnischen und deutschen Arbeiter und Arbeiterinnen zur Einheit auf. Unser gemeinsames Ziel ist der Kampf um Würde, bessere Arbeitsbedingungen und bessere Löhne – über die Grenzen hinweg!

Liste der Forderungen an Amazon in Poznan/Polen

Die Betriebsübergreifende Kommission der OZZ Inicjatywa Pracownicza bei AMAZON Fulfillment Poland Sp. z o.o. hat am 26. Juni 2015 gemäß Art. 1 und Art. 7 des Gesetzes über die Beilegung von kollektiven Arbeitskämpfen folgende Forderungen an den Arbeitgeber gestellt:

1. Erhöhung des Stundengrundlohns auf mindestens 16 Zloty brutto.

2. Einführung von Zuschlägen nach Betriebszugehörigkeit.

3. Einführung von Arbeiteraktien.

4. Einführung von Einsatzplänen auf Jahresbasis.

5. Einführung einer an die reale Pausenzeit angepassten Pausenzeitregelung.

Falls Amazon diese Forderungen nicht erfüllt, befindet sich die Gewerkschaft ab dem 4. Juli 2015 im Arbeitskampf mit dem Arbeitgeber. In dem Fall werden in den nächsten Wochen Verhandlungen stattfinden. Falls die Parteien nicht zusammenkommen, wird eine Schlichtung durch einen externen Schlichter stattfinden.

Bei fehlendem Verhandlungsfortschritt hat die Gewerkschaft das Recht zu einem zweistündigen Warnstreik. Falls am Ende keine Einigung erzielt wird, hat die Belegschaft das Recht, offiziell zu streiken.

Brief (Als PDF)

Internationales Treffen der Amazon-Arbeiter/innen

Von 11.9. bis 13.9. in Poznan

Hallo Kollegen/innen!

Die Arbeiterinnen und Arbeiter von Amazon aus Polen und Deutschland laden zum Treffen und zum Austausch über Ärger, Arbeitskämpfe und Organisierung ein.

Seit Amazon das erste Fulfillment Center in Bad Hersfeld 1999 aufgemacht hat, droht das Management immer wieder mit der Schließung des Werkes. Aber seitdem wurden acht neue FCs in Deutschland, vier in Frankreich, eins in Italien, seit September 2014 drei in Polen und seit diesem Sommer ein neues in Tschechien eröffnet. Amazon droht zwar mit Schließungen, aber sie bauen neue Kapazitäten auf, um sich auszuweiten und um Volumen um zu Leiten, wenn ein Werk bestreikt wird.

In den letzten zwei Jahren gab es über 20 Streiks allein in sechs deutschen FCs und in FCs in Frankreich. Diese Streiks und die anderen Kampfaktionen tun Amazon weh und haben bereits zu Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und langsam steigenden Löhnen in einigen FCs geführt. Gegen diese Aktionen nutzt das Management aber die Verschiebung von Volumen in andere FC, innerhalb von Deutschland und über die Grenzen nach Frankreich oder Polen hinaus. Außerdem werden immer wieder falsche Informationen über Löhne, Arbeitsnormen und Prämien in anderen FCs verbreitet.

Wir wollen uns weder vom Management verarschen noch uns gegen unsere Kolleginnen und Kollegen im Nachbarland ausspielen lassen. Deshalb laden wir zum gemeinsamen Treffen ein, auf dem wir einander kennen lernen und über die Ländergrenzen hinweg organisieren wollen. Wir wollen über Einzelheiten von Löhnen, Prämien und Zahlen sprechen und die Situation in verschiedenen Werken vergleichen. Genauso wollen wir die verschiedenen Aktionen von T-Shirt-Aktionen, über Petitionen, „LKW-Informieren“ bis hin zu Streiks zusammentragen. Wir wollen auch diskutieren, welche Aktionen was gebracht haben und welche Fehler wir beim nächsten Mal besser vermeiden können. Schließlich wollen wir auch darüber reden, wie wir unsere Aktionen in Zukunft auch über die Ländergrenzen hinweg absprechen können.

Ablauf:

Zu Beginn des Treffens wird es am Freitagnachmittag eine gemeinsame Aktion in Poznan geben. Für Freitagabend laden wir zu einer öffentlichen Versammlung ein, auf der wir aus den unterschiedlichen FCs berichten und mit Arbeiterinnen und Arbeitern aus anderen Betrieben, Interessierten und natürlich mit zukünftigen Amazon Arbeiter/innen diskutieren wollen. Samstag und Sonntag wollen wir abwechselnd in großer Runde und in kleinen Arbeitsgruppen diskutieren.

Sprachen:

Wir werden Polnisch, Deutsch, Französisch und Englisch sprechen und alle Sprachen sind willkommen. Wir laden viele Übersetzer/innen ein.

Amazon workers united!

Zeitplan:

Freitag 11. September
19:30-22:00 Öffentliche VERANSTALTUNG

„Arbeitskämpfe bei Amazon in Polen, Deutschland und Frankreich

Arbeiterinnen und Arbeiter aus verschiedenen Amazon-Distributionszentren erzählen, wie wir uns organisieren wollen.

Wir laden Öffentlichkeit und Medien zu einer öffentlichen Versammlung ein, auf der wir aus den unterschiedlichen FCs berichten und mit Arbeiterinnen und Arbeitern aus anderen Betrieben, Interessierten und natürlich mit zukünftigen Amazon Arbeiter/innen diskutieren wollen.

Eintritt frei.

Ort: Teatr Ósmego Dnia, Eingang ul. Ratajczaka 44 (2. Stock)

Samstag 12. September
11:00-12:00 PROTEST/HAPPENING

„Wir sind keine Roboter!“

Amazon-Arbeiter/innen gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen!

Ort: pl. Wolności, Arkadia-Treppe

12:00-18:30 INTERNATIONALES TREFFEN DER AMAZON-ARBEITER/INNEN

12:00-13:15 Kennenlernen
13:30-15:00 Block zu unseren Problemen

Diskussion in Arbeitsgruppen zu Löhnen, Premienm Normen, Feedbacks, unseren Ängsten, Fluktuation, Leiharbeitsfirmen und Amazons Gegenstrategien gegen Arbeiter/innen-Aktionen

15:00-16:00 Mittagspause
16:00-17:30 Block zur Organisierung

Referate aus verschiedenen Ländern zu Strategien, effektiven Werkzeugen und Herausforderungen

17:45-18:30 Zusammenfassung des Tages

Ort: Teatr Ósmego Dnia, Eingang ul. Ratajczaka 44 (2. Stock)

21:00 Geselliger Teil

Ort: Café-Club Meskalina, Stary Rynek 6

Sonntag 13. September
10:00-14:00 INTERNATIONALES TREFFEN DER AMAZON-ARBEITER/INNEN

10:00-11:30 Block zu unseren gemeinsamen Plänen

Die nächsten Treffen und Kampagnen – Diskussion in Arbeitsgruppen

11:45-14:00 Zusammenfassung

Ort: Teatr Ósmego Dnia, Eingang ul. Ratajczaka 44 (2. Stock)

14:00 Mittagessen

Organisatorisch:

  • Übernachtung: 2 Nächte im Hostel mit Frühstück kosten ca. 20 Euro
  • Kosten: Teilnahmebeitrag ca. 10 Euro für Tagesverpflegung
  • Reisekosten: Auf Anfrage wird gerade noch geklärt
  • Anmeldeschluss ist der: 28.08.2015

Anmeldung unter : sign.up.for.meet@gmail.com

weitere Infos: infozumtreffen@gmail.com