Die Inicjatywa Pracownicza zu den letzten Lohnerhöhungen

Ende August fanden bei Amazon Betriebsversammlungen (sog. All-Hands) zum Thema Gehaltsspiegel statt. Dabei wurde uns mitgeteilt, dass der Grundlohn für die große Mehrheit der Lagerarbeiter_innen (Level 1) ab September um 1 Zloty auf 16 Zloty steigt. Auch die Zulagen für Betriebszugehörigkeit steigen: nach einem Jahr gibt es 17 Zloty, nach zwei Jahren 18 Zloty. Angesichts von zunehmend prekären Arbeitsverträgen und gestiegenen Nomen ist die Belegschaft mit diesen Lohnerhöhungen aber nicht zufrieden.

Seit diesem Jahr hat Amazon statt unbefristeter Verträge befristete Ein-Jahres-Verträge eingeführt. Angeblich zeigt sich darin Amazons „langfristige Politik, die darauf ausgerichtet ist, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“ – so drücken es die Vertreter der Firma auf dem Schwarzen Brett aus. Das bedeutet, dass die meisten Beschäftigten, besonders die Arbeiter und Arbeiterinnen der Leiharbeitsfirmen Adecco und Randstad, kaum eine Chance auf die Betriebszugehörigkeitszulage und auf einige andere Lohnzusätze haben. Schulungen bezahlt Amazon erst nach einem Jahr im Betrieb. Dabei kannst du ein halbes Jahr über eine Leiharbeitsfirma arbeiten, dann kommen drei Monate Probezeit und erst dann bekommst du den Ein-Jahres-Vertrag. Schon jetzt gibt es nur wenige Arbeiter_innen in Level 1, die seit zwei oder drei Jahren dabei sind.

In der letzten Zeit sind auch die Normen (Mindestziele) gestiegen. Im Lauf der letzten 12 Monate sind sie in einigen Bereichen (Prozesse: LP/Receive, Pack Multi, Returns) um 40 Prozent, in anderen (Pack Single, Receive, Geschenke) um 20-30 Prozent gestiegen. Die Lohnerhöhungen bleiben also weit hinter dieser Arbeitsverdichtung zurück.

Im Mai 2017 hat die Inicjatywa Pracownicza eine Umfrage unter den Arbeiter_innen durchgeführt, u.a. zum Thema Erwartungen an Lohnerhöhungen. Daraus entstand ein Forderungskatalog an den Arbeitgeber mit der Forderung nach 30 Prozent Lohnerhöhung und weiteren Zulagen. Amazon hat die Erwartungen der Arbeiter_innen nicht erfüllt. Wenn es um Lohnerhöhungen geht, ignoriert Amazon die Gewerkschaften und macht deutlich, dass die Firma nichts auf die Vertretung der Belegschaft gibt, sondern nur auf Marktforschungen. Zu den Einzelheiten dieser Marktforschungen haben die Beschäftigten gar keinen Zugang. Wir begreifen aber gut, dass nach dieser Logik unsere Löhne immer nur einen kleinen Tick höher sein sollen als bei der Konkurrenz. Bei der statistischen Konkurrenz – wir kennen aber Lagerbetriebe im Raum Poznań und Wrocław, wo bereits die Einstiegslöhne bei 18-20 Zloty in der Stunde liegen.

Als Vertreter der Belegschaft sind wir dagegen, dass die Höhe unserer Löhne durch so ein Verfahren festgelegt wird, völlig abgekoppelt von der Höhe der Gewinne, die wir für die Firma erwirtschaften. Wir werden weiter Lohnerhöhungen fordern. Inzwischen hat die ebenfalls bei Amazon, aber hauptsächlich in den Zentren in Wrocław aktive Gewerkschaft Solidarność am 1. September 2017 angekündigt, dass sie einen offiziellen Arbeitskampf beginnen werden, wenn Amazon die Löhne nicht um 30 Prozent erhöht. Als Inicjatywa Pracownicza unterstützen wir diese Forderung und erklären hiermit, dass wir alle Initiativen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstützen werden.

Wir als Gewerkschaftskommission der Inicjatywa Pracownicza bei Amazon befinden uns schon seit Juni 2015 in einem offiziellen Arbeitskampf. Wir haben bereits den kompletten Prozess von Lohnverhandlungen und Schlichtungen mitgemacht. Wir sind uns allerdings bewusst, dass Verhandlungen hinter verschlossenen Türen mit Amazon nicht ausreichen, um den Konzern zu Zugeständnissen zu zwingen. Für Lohnerhöhungen ist Druck von Seiten der Gewerkschaft, der Beschätigten und des Arbeitsmarkts nötig – je größer der Druck, desto größer die Chance, dass sich die Situation für uns alle verbessert.

Deshalb rufen wir zusammen mit Amazon-Beschäftigten aus anderen europäischen Ländern zu einem Internationalen Aktionstag am 24. November 2017 auf – unter der Parole „Make Amazon Pay“, d.h. „Amazon muss zahlen“. An diesem Tag, dem Black Friday, plant Amazon eine riesige Verkaufsaktion. Für den Aktionstag ist u.a. eine Blockade des Amazon-Distributionszentrums in Berlin geplant (siehe https://blackfriday.blackblogs.org). Zu unseren Plänen schreiben wir demnächst mehr!

OZZ Inicjatywa Pracownicza Amazon

(polnisches Original: http://ozzip.pl/teksty/informacje/ogolnopolskie/item/2296-inicjatywa-pracownicza-amazon-o-ostatnich-podwyzkach)

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Amazon – ohne Kampf wirst du niemals mehr bekommen

Der Juli ist für hunderttausende Amazon-Arbeiter_innen ein sehr intensiver Monat. Dann feiert die Firma ihren Geburtstag mit riesigen Verkaufsaktionen. Der Höhepunkt findet Mitte Juli statt und nennt sich Prime Day.

Der Konzern bereitet sich schon seit Anfang Juli auf dieses Event vor. In den ersten beiden Juliwochen herrschen für die Beschäftigten Urlaubssperre, verlängerte Schichten (bis zu 52 Wochenstunden) und noch mehr Arbeitsdruck. Zusätzlich findet ein Produktivitätswettbewerb zwischen den Amazon-Zentren (Fulfillment Centers) auf der ganzen Welt statt, bei dem neue Versandrekorde angestrebt werden. Die Manager können bei dieser Gelegenheit riesige Prämien verdienen, für die normalen Arbeiter_innen gibt es nur noch mehr Produktivitätsdruck, verstärkte Kontrolle und unglaubliche Erschöpfung.

Amerikanische Analysten schätzen, dass Amazon im letzten Jahr am Prime Day bis zu 600 Mio. Dollar umgesetzt hat. Gerade wurde Jeff Bezos mit einem Vermögen von 90 Mrd. Dollar zum reichsten Menschen der Welt erklärt. Die Arbeiter_innen in Polen dagegen bekamen für die Arbeit während der Sommer-Aktionen eine symbolische Anwesenheitsprämie in Höhe von 150 Zloty [35 Euro] brutto, die sie motivieren sollte, regelmäßig zur Arbeit zu kommen.

Die Lohnunterschiede zwischen den Arbeiter_innen in der untersten Lohngruppe 1 und den Managern und Vorständen sind so groß, dass sie unausweichlich zu Konflikten führen. Zusätzlich werden in der Sommerzeit Entscheidungen über Lohnerhöhungen getroffen. In Frankreich finden dann gesetzlich vorgeschriebene Verhandlungen über Lohnerhöhungen statt. In Polen allerdings stellt Amazon dann seinen regionalen Gehaltsspiegel fertig: eine Untersuchung des Lohnniveaus in ausgewählten Betrieben und Branchen sowie der Situation auf dem lokalen Arbeitsmarkt, die der Firma als Grundlage für Entscheidungen über etwaige Lohnerhöhungen dient. Auf diese Art und Weise rechnen auch andere Unternehmen ihre Löhne aus. Es geht ihnen dabei nicht darum, welche Gewinne die Arbeiter_innen erwirtschaften, sondern um die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte und die Löhne in nahegelegenen oder ähnlichen Betrieben. Damit werden Ungleichheiten verfestigt. Als Antwort auf den Gehaltsspiegel haben wir als OZZ Inicjatywa Pracownicza eine Fragebogenaktion im Betrieb gemacht und daraus eine Forderungsliste an das Management erstellt. Zu den Forderungen gehören u.a.: Erhöhung des Grundlohns um 30 Prozent, Einführung eines 13. Monatsgehalts wie in Frankreich, Einführung einer höheren Betriebszugehörigkeitszulage wie in Deutschland, Urlaubsgeld aus dem betrieblichen Sozialfonds. Die Forderungen waren auch ein Thema beim kürzlichen Treffen der OZZ IP mit Amazon-Vertretern.

Nicht nur die Löhne sorgen für Streit zwischen Arbeiter_innen und Konzernführung. Amazon verschärft permanent die Disziplinierung und Kontrolle der Arbeiter_innen, um aus ihnen so viel Arbeit wie möglich zu möglichst niedrigen Kosten herauszuholen. In Polen wurde im April ein sogenanntes „Hausbesuchsprogramm“ zur Kontrolle von krankgeschriebenen Arbeiter_innen eingeführt. Arbeiter_innen mit angeschlagener Gesundheit sollen so einschüchtert werden, dass sie sich nicht krankschreiben lassen. Außerdem wird in einigen Abteilungen versucht, die Kontrolle über Toiletten- und Pausengänge auszuweiten, die sogenannte „time off task“, d.h. die Zeit, in der man keine vom Computersystem registrierbaren Tätigkeiten wie das Scannen von Artikeln ausführt. Wenn diese Zeit länger als 3 Minuten dauert, wird sie vom System registriert, berechnet und als zusätzliche Pause interpretiert, d.h. als Verstoß gegen die Arbeitsvorschriften. Das passiert sogar, wenn ein Arbeiter länger als 3 Minuten beschädigte Anlagen repariert oder die aktuelle Bestellung und Artikel prüft. Gleichzeitig hat die Firma seit Jahresbeginn die Einstellungsbedingungen verschlechtert. Früher schafften einige Leute es, nach einem halben Jahr Beschäftigung über Leiharbeitsfirmen und einer dreimonatigen Probezeit einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen. Jetzt muss man zusätzlich ein Jahr mit einem befristeten Vertrag arbeiten. Das verlängert die Zeit der prekären Beschäftigung von knapp einem Jahr auf fast zwei Jahre, wobei Arbeiter_innen es insgesamt durchschnittlich drei Jahre bei Amazon aushalten, wenn sie nicht schon vorher entsorgt werden. Als Inicjatywa Pracownicza haben wir gefragt, aus welchem Grund diese verschiedenen Probeverträge eingeführt wurden. Die Antwort der Personalabteilung lautete: „Grund der Änderung ist unsere langfristige Politik und die Situation auf dem Arbeitsmarkt.“ Andererseits behauptet Amazon, seine langfristige Politik beruhe auf „der Sicherstellung eines stabilen Arbeitsumfeldes, dem Aufbau von Beziehungen zu den Kunden und der lokalen Gemeinschaft und darauf, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein“. Amazon ist schon eine ganz spezielle Firma, wenn sie Beziehungen zur lokalen Gemeinschaft dadurch aufbaut, dass sie die prekäre Beschäftigung ausweitet. Wieso die Einführung von auf ein Jahr befristeten Probeverträgen Amazon zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen soll, bleibt wohl ein Geheimnis.

Das restriktive Managementsystem und die prekären Bedingungen in Verbindung mit den niedrigen Löhnen treffen bei den Beschäftigten auf Widerstand, erst recht während intensiver Verkaufsaktionen wie dem Prime Day im Juli. Zu Beginn der Sommersaison ging erneut eine Welle von Streiks durch die deutschen Amazon-Zentren. Bei der Gewerkschaft Verdi organisierte Arbeiter_innen in Leipzig, Augsburg, Bad Hersfeld, Rheinberg und Werne forderten den Abschluss eines Tarifvertrags, der höhere Löhne für sie bedeuten würde. Streiks gab es auch in Frankreich. In der Gewerkschaft Sud Solidaires organisierte Arbeiter_innen im FC Orléans bei Paris forderten bessere Arbeitsbedingungen, feste Verträge und höhere Löhne. Auf die Entlassung einer Aktivistin des Gewerkschaftsverbands CGT antworteten die Gewerkschaften mit einer Kampagne gegen Repressionen und mit Protesten vor dem Betrieb. Im Zentrum von Poznań klebte eine Unterstützer_innengruppe Plakattafeln, die die ungleiche Verteilung der Gewinne im Konzern anprangern. Vor einer der Plakattafeln haben wir eine Pressekonferenz abgehalten, um die Öffentlichkeit über die Situation und die Konflikte in den polnischen und ausländischen Amazon-Zentren und über die Forderungen zu informieren, die wir vor einigen Tagen an die Firma gerichtet haben.

Arbeite nicht zu schnell, sondern sicher!

Neben den lokal organisierten Aktivitäten ist es uns gelungen, in der Zeit der heißesten Verkaufskampagne zusammen mit bei der Gewerkschaft Sud Solidaires organisierten Arbeiter_innen in Orléans bei Paris (ORY1) und mit Aktivist_innen aus Leipzig (LEJ1) die gemeinsame Aktion „Safe Package“ zu organisieren. Ziel der Aktion war es, auf das Thema Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter_innen aufmerksam zu machen – ein Thema, das in Hochbetriebszeiten aufgrund von „betrieblichen Anforderungen“ ignoriert wird. Zusätzlich benutzen die Chefs die Arbeitssicherheitsvorschriften gerne gegen die Arbeiter_innen, um die Hierarchien im Betrieb zu stärken, die Verantwortung für Arbeitsunfälle auf ihre Untergebenen abzuschieben, diese zu kontrollieren und zu disziplinieren (wegen Gewerkschaftsarbeit zu schikanieren, zu bestrafen, wenn sie sich während der Arbeit ausruhen wollen oder sonst irgendwie versuchen, sich das Leben im Betrieb leichter zu machen). Sie tun so, als würden sich um die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter_innen kümmern. In Wirklichkeit benutzen sie das Thema Arbeitssicherheit, um den Druck zu erhöhen und sich um die wirtschaftliche Lage des Betriebs zu kümmern. Deshalb haben wir in den Zentren in Orléans, Leipzig und Polen ein gemeinsam geschriebenes Flugblatt verteilt, in dem wir daran erinnern, was wirklich hilft, die körperliche Gesundheit der Arbeiter_innen zu schützen: regelmäßig Wasser trinken und auf Toilette gehen, die gesamte Pausenzeit zur Erholung nutzen, keine überschweren Gegenständen tragen, überfüllte Förderbänder melden, nicht an unzureichend eingerichteten Arbeitsplätzen arbeiten, Hast und Routine vermeiden usw.

Als Antwort auf die Aktion „Safe Package“ sah sich das Management des französischen Zentrums genötigt, öffentlich zu erklären, es ergreife Maßnahmen, um die Gesundheit der Arbeiter_innen zu fördern. In Polen wurden die Schichtleiter gezwungen, offiziell an Prinzipien wie das regelmäßige Wassertrinken zu erinnern, die natürlich des öfteren dazu führen, dass man in einen anderen Teil der Halle gehen muss, statt schnell zu arbeiten. Letztlich hat das Logistikzentrum in Poznań es dieses Jahr nicht geschafft, wie erhofft einen neuen Versandrekord aufzustellen. Ursache waren nicht nur die vom Flugblatt ausgelösten Diskussionen über die Arbeitssicherheit, sondern vor allem eine Reihe von organisatorischen Fehlern des Managements und ein hoher Krankenstand. Trotz allem hat die Aktion „Safe Package“ Amazon dazu gezwungen, Stellung zum von den Arbeiter_innen auf die Tagesordnung gesetzten Thema zu beziehen. Sogar kleine symbolische Aktivitäten, die die aus der Aufteilung in verschiedene Betriebe in verschiedenen Länder resultierenden Spaltungen überwinden helfen, sind für die Firma ein Signal, das sie nicht ignorieren kann.

Gemeinsam sind wir stärker!

Nach der Aktion schrieben Arbeiter_innen aus Leipzig in einem Brief an die anderen teilnehmenden Amazonier_innen: „Unsere entgeltlichen Bedingungen sind sehr unterschiedlich, aber EINES eint uns: Unsere Arbeitsbedingungen! […] Diese gemeinsame Basis ist auch die Grundlage für gemeinsame Aktionen. Lasst uns weiter gemeinsam kämpfen, für gesunde und fair bezahlte Arbeit! Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Aktionen oder sogar Streiks!“

Amazon beschäftigt weltweit fast 400.000 Arbeiter_innen in hunderten von Zentren. Diese Zahl steigt von Jahr zu Jahr um mehrere zehntausend. Die meisten sind in der untersten Lohngruppe 1. Wir leben in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichem Arbeitsrecht, sprechen unterschiedliche Sprachen, haben unterschiedliche Hautfarben, unterliegen unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen. Trotz dieser Spaltungen haben wir aber miteinander mehr gemeinsam als mit denen, die uns verwalten: Teamleadern, Managern, Personalabteilung. Viele von uns rechnen sich einen Aufstieg aus, wenn sie sich dem Arbeitsregime des Managements unterwerfen, wenn sie loyal nicht gegenüber den anderen Arbeiter_innen, sondern gegenüber den Vorgesetzten sind. Leider bleibt ein Aufstieg nur wenigen vorbehalten und ist meist auch noch mit der unangenehmen Pflicht verbunden, seine ehemaligen Kollegen zu disziplinieren und zu bespitzeln. Statt uns für einen höchst ungewissen individuellen Erfolg spalten zu lassen, können wir gemeinsam Stärke zeigen und die Arbeitsbedingungen und Löhne für alle verbessern. Was uns verbindet, sind die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, die Rolle, die wir in unseren Betrieben spielen, und das, wonach wir uns sehnen: ein würdiges Leben in Selbstbestimmung.

Amazon weiß, wie es unsere Beziehungen untereinander ausnutzen kann, um uns gegeneinander auszuspielen. In einer Erklärung sagte der Konzern, die Streiks hätten keinen Einfluss auf die Einhaltung seines „Versprechens an die Kunden“ im Rahmen des Prime Day. Die Logistikzentren in Deutschland und ganz Europa hätten sich auf die Protestaktionen vorbereitet und ihre Lagerbestände entsprechend aufgestockt. Mit Unterstützung der übrigen 31 Zentren in ganz Europa würden die Kunden „den gewohnten schnellen und guten Service“ bekommen. Wir müssen lernen, das, was uns bei unserer täglichen Arbeit verbindet, gegen Amazon zu wenden. Mit gemeinsamen Kräften haben wir den Firmengründer zum reichsten Menschen der Welt gemacht. Sicherlich könnten wir unsere Zusammenarbeit auch so organisieren, dass der Reichtum, den wir erarbeiten, uns selbst und unseren eigenen Bedürfnissen zugute kommt. Wenn wir gemeinsam kämpfen – gegen die ständige Kontrolle, dagegen, als Anhängsel der Maschinen behandelt zu werden, für höhere Löhne und für sichere Arbeitsbedingungen -, dann können wir unser eigenes Leben und das Leben der Menschen, die und wichtig sind, dauerhaft verbessern.

Betriebsübergreifende Kommission der OZZ IP bei Amazon Poznań

 

Amazon: Niemand will ein Rädchen im Getriebe sein

Interview von Mikołaj Iwański,
zuerst erschienen auf der Website von Krytyka Polityczna, 24. August  2017
(http://krytykapolityczna.pl/kraj/amazon-nikt-nie-chce-byc-trybem-w-maszynie)

Wer bei Amazon arbeitet, ist ständig weitreichender Kontrolle ausgesetzt. Jede Minute, in der du keine Arbeit für das Computersystem sichtbare Arbeit leistest, wird aufgerechnet.

Mikolaj Iwański: Bald ist es drei Jahre her, seit Amazon sein Logistikzentrum in Sady bei Poznan in Betrieb genommen hat. Seit Anfang an gibt es dort eine Kommission [Betriebsgruppe] der Inicjatywa Pracownicza [IP, Arbeiterinitiative]. Zuletzt war in den Medien viel über die Aktion „Safe Package“ zu hören, die ihr im Zusammenhang mit den Sommer-Werbekampagnen organisiert habt. Worum ging es da?

Magda, Inicjatywa Pracownicza: Im Juli findet bei Amazon eine Werbekampagne namens „Prime Day“ statt – das ist nach Weihnachten die zweitintensivste Zeit. Wir haben eine an die Beschäftigten gerichtete Informationskampagne gestartet, um darauf hinzuweisen, dass man in dieser schwierigen Zeit nicht dem Druck des Arbeitgebers nachgeben, sondern in erster Linie an seine eigene Gesundheit und die Arbeitssicherheitsvorschriften denken sollte. Wir haben auch eine Pressekonferenz abgehalten, um über die Arbeitsbedingungen bei Amazon zu informieren. Aktuell läuft wieder eine Riesenwerbekampagne – Plakatwände usw. -, weil wieder Unmengen von Arbeiter_innen gesucht werden. Da hatten wir das Gefühl, dass wir erzählen müssen, wie die Arbeitsbedingungen bei Amazon aus der Perspektive der Arbeiter_innen aussehen.

Verstöße gegen Arbeitssicherheitsvorschriften sind nicht das einzige Problem, das Neueinstellte haben, oder?

Ihr Hauptproblem ist, dass sie über Leiharbeitsfirmen eingestellt werden. Wenn sie die von Amazon aufgestellten Normen nicht schaffen, kann man sie sehr leicht loswerden. In der Praxis bedeutet dies, dass man zum Beispiel nach einer Krankschreibung keine Chance auf Vertragsverlängerung hat. Wir haben keine genauen Daten über die Fluktuation, aber ich arbeite seit zwei Jahren bei Amazon und von den Hunderten von Leuten, die mit mir zusammen angefangen haben, sehe ich im Betrieb noch drei. Auch die Bedingungen für eine Übernahme haben sich geändert: Nach einer dreimonatigen Probezeit bekommt man einen auf ein Jahr befristeten Vertrag und erst danach einen unbefristeten Vertrag. Die Zeit, die man braucht, um einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu erhalten, verlängert sich damit auf etwa zwei Jahre. Gleichzeitig zeigen Statistiken, die gewerkschaftliche Aktivist_innen aus Deutschland erstellt haben, dass die Leute durchschnittlich drei Jahre lang bei Amazon arbeiten.

2015 hattet ihr eine Tarifauseinandersetzung mit dem Management von Amazon. Ihr habt damals u.a. langfristigere Schichtplanungen, Zulagen nach Betriebszugehörigkeit, Lohnerhöhungen und Änderungen der Pausenregelungen gefordert. Die Schlichtung wurde vom Arbeitgeber abgebrochen. Haben eure Aktivitäten irgendwelche langfristigen Wirkungen gezeigt?

Das stimmt, nach schwierigen Verhandlungen, bei denen alle unsere Forderungen abgelehnt wurden, hat das Management von Amazon die rechtlich vorgeschriebene Etappe der Schlichtung abgebrochen, damit wir keinen Warnstreik durchführen konnten – das hat auch funktioniert. 2016 fand eine Streikurabstimmung statt, an der 2.000 Arbeiter_innen teilnahmen, d.h. ca. 30 Prozent aller Beschäftigten. 98% von ihnen stimmten für Streik, aber das hat nicht gereicht. Das polnische Recht legt die Latte so hoch, dass es fast unmöglich ist, einen legalen Streiks zu organisieren. In Deutschland z. B. werden Streikurabstimmungen nur unter den Gewerkschaftsmitgliedern durchgeführt. In Italien und in vielen anderen Ländern wird das Streikrecht durch die Verfassung garantiert. Wenn Arbeiter_innen streiken müssen, gehen sie einfach raus und tun das. In Polen muss man erst mal Verhandlungen, Schlichtungen, Urabstimmungen durchführen, und erst wenn man alle gesetzlichen Formalitäten und Fristen eingehalten hat, kann überhaupt an einen Streik denken. Manchmal vergehen Monate, bevor es zur nächsten Etappe weitergeht, währenddessen ändert sich die Situation im Betrieb und die Arbeiter_innen sind von der Tarifauseinandersetzung ausgebrannt. Dies ist ein breiteres Problem: Im Jahr 2016 gab es im ganzen Land 5 legale Streiks! So war es auch in vielen Jahren davor, obwohl die Situation auf dem lokalen Arbeitsmarkt nicht gerade toll war. Erst in diesem Jahr beginnen sich die Statistiken zu ändern. Allein in der ersten Hälfte des Jahres wurden 1.500 Streiks registriert, wahrscheinlich fand ein Gutteil davon in den Schulen statt. Zur Zunahme der Proteste hat vielleicht auch der Rückgang der Arbeitslosigkeit beibetragen: Die Arbeiter_innen fühlen sich selbstbewusster und sind bereit, für ihre Rechte zu kämpfen.

Trotzdem hat das Unternehmen kurz darauf eine Betriebszugehörigkeitszulage eingeführt und mehr Arbeiter festeingestellt – leider wird in letzter Zeit wieder hauptsächlich mit prekären Müllverträgen eingestellt. 2016 gab es auch einen anständigen Weihnachtsbonus. Ursache waren u.a. die laufende Tarifauseinandersetzung und Aufmerksamkeit für gewerkschaftliche Aktionen. Das Referendum hat trotz allem gezeigt, dass 2.000 Menschen entschlossen sind, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Das konnte Amazon nicht gleichgültig sein.

Also kann man trotz fehlender effektiver rechtlicher Mittel den Arbeitgeber unter Druck setzen und die Arbeitsbedingungen verbessern?

Seit 2015 organisieren wir internationale Treffen von Amazon-Arbeiter_innen. Das erste fand in Poznan statt. Anfangs haben sich Amazon-Arbeiter_innen aus Polen und Deutschland und organisierte externe Amazon-Unterstützungsgruppen aus Deutschland beteiligt. Im Laufe der Zeit sind französische Arbeiter_innen dazugekommen und wir sind auch dabei, Kontakte mit Beschäftigten in Spanien herzustellen. Wir haben Kontakt zu Arbeiter_innen in der Logistikbranche in Italien, wo regelmäßig Protestaktionen laufen. Die meisten Beschäftigten dieser Branche in Italien sind Immigrant_innen aus Nordafrika und dem Balkan – ihre Erfahrungen sind für uns besonders wertvoll, da sie die Spaltungen unter den Arbeiter_innen durchbrechen und mit einer Vernetzungsstrategie stabilere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne erzielen konnten.

Durch diese internationalen Treffen konnten wir – teilweise krasse – Unterschiede bei ein und demselben Arbeitgeber in verschiedenen Ländern feststellen. Amazon operiert immer auf dem Niveau von Mindeststandards, die das lokale Arbeitsrecht und der Markt vorgeben. Die Koordination hilft uns beim Informationsfluss und bei der Planung von gemeinsamen Aktionen – zum Beispiel 2015, als bei Amazon in Deutschland gestreikt wurde und ein großer Teil des Volumens nach Polen verschoben wurde. Die polnischen Arbeiter haben spontan langsam gearbeitet, was der erste Akt internationaler Solidarität war. Auch die schon erwähnte Aktion „Safe Package“ war breiter angelegt – sie wurde auch in Leipzig und in Saran bei Paris durchgeführt. Die Erfahrung vieler Jahre in der Zentren von Amazon in Europa zeigt, dass bei wirksamen Aktionen mehr als ein Zentrum einbezogen werden muss – nur dann können Aktionen wie langsam Arbeiten nicht leicht durch die Verlagerung von Bestellungen zu anderen Zentren abgefedert werden.

Im Logistikbereich scheint es besonders schwierig zu sein, Arbeiter_innen zu organisieren.

Es ist nicht schwieriger als irgendwo anders. Und die Erfahrung in Italien zeigt, dass es möglich ist, sich effektiv zu organisieren – schließlich haben wir es mit einer Konzentration von Arbeiter_innen in relativ kleinen Räumen zu tun. Der Schlüssel ist, sehr genau die gesamte Lieferkette nachzuvollziehen – außer den Lagerzentren haben wir auch den Transport einschließlich Schiffs- und Bahntransport und Produktionsbetriebe. Ein Teil der Arbeit muss an einem konkreten Ort geleistet werden und lässt sich nicht leicht auf einen anderen Kontinent verlagern – letztlich ist die Logistik eine Dienstleistung für einen ganz konkreten Kunden. Darüber hinaus hat die Arbeit in dieser Branche oft prekären Charakter und wird von Menschen geleistet, die keine Qualifikation brauchen und sehr schlecht bezahlt werden. All das eröffnet den Blick auf eine ganz andere Strategie von Arbeiter_innenkämpfen als bisher.

Neulich beim G20-Gipfel in Hamburg wurde effektiv die Zufahrt zum riesigen Hamburger Hafen blockiert, was zu stundenlangen Staus und Verzögerungen beim Be- und Entladen von LKWs führte. Das war mehr als eine symbolische Geste und zeigte, dass es weiterhin möglich ist, die kapitalistische Logik durch organisierten Widerstand zu stören. Der Logistikbereich konzentriert einerseits eine Masse von Arbeiter_innen und hat auf der anderen Seite viele empfindliche Punkte, die diesen Arbeiter_innen Macht geben. Es ist zu erwarten, dass die Arbeiterkämpfe in dieser Branche noch Fahrt aufnehmen werden.

Sagen die Standards bei Amazon etwas über die Zukunft des polnischen Arbeitsmarktes?

Amazon setzt in erster Linie auf die Ausweitung seines Geschäfts und großen Reklamehype, der die Firma als tollen Arbeitgeber präsentieren soll. Gleichzeitig bieten viele andere große Betriebe aber deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Was Amazon wirklich von anderen unterscheidet, ist vor allem das Expansionstempo. Demnächst werden zwei weitere Zentren eröffnet – und das ist keine Verlagerung weg aus Westeuropa, sondern ein Ergebnis der Ausweitung des Marktes. Die Arbeitsbeziehungen selbst sind radikal der Effizienzlogik untergeordnet, im Geiste eines extrem strengen Taylorismus. Interessanterweise hat die Logistikbranche viel mit dem Militärkomplex zu tun. Amazon in den USA stellt sehr gern ehemalige Offiziere als Manager und normale Veteranen als Vorarbeiter ein, die sich in Afghanistan oder im Irak verdient gemacht haben. Die Arbeit bei Amazon ist eine tägliche Erfahrung weitreichender Kontrolle; wenn du länger als drei Minuten keine für das Computersystem sichtbare Arbeit leistest, z.B. weil sich ein Bandförderer verklemmt hat, wird das registriert und aufgerechnet. Jede derartige Ausfallzeit kann als zusätzliche Pause und Verstoß gegen die Arbeitsvorschriften gewertet werden. Das ist ein enormer Druck, denn selbst der höchstmotivierte Arbeiter ist ein Mensch und kein Roboter.

Gehorchen die Arbeiter_innen?

Natürlich nicht. Jeden Tag leisten sie Widerstand. Niemand will als Rädchen im Getriebe behandelt werden. Das sind einfache Akte des Ungehorsams – früher in die Pause gehen, langsamer arbeiten, einen Teil der Aufgaben liegen lassen, Lücken im System ausnutzen, Entscheidungen und Empfehlungen von Vorgesetzten hinterfragen, regelmäßig aufs Klo gehen, was in vielen Abteilungen ein Grund für Auseinandersetzungen mit Vorgesetzten ist. Scheinbar ist das nichts, aber auf diese Weise kämpfen die Arbeiter_innen für ihre Subjektivität und leisten Widerstand dagegen, ihr Leben vollkommen der Arbeit unterzuordnen.

Amazon versucht auch, die Arbeiter_innen von Krankschreibungen abzuhalten.

Ja, Amazon würde gern weit über den Arbeitsplatz hinaus Kontrolle ausüben. Anfang des Jahres wurde Arbeiter_innen in Deutschland ein Anwesenheitsbonus in Aussicht gestellt, wenn in ihrem Team niemand krank würde. Sie sollten gegenseitig Druck aufeinander ausüben, nicht krank zu machen. Zur gleichen Zeit beauftragte Amazon Polen eine externe Firma damit, krankgeschriebene Arbeiter_innen zu Hause zu kontrollieren. Bei diesen Hausbesuchen werden sie nicht immer hereingelassen. Bei der Gelegenheit füllen die Beschäftigten gleich einen Fragebogen zu ihrer Meinung über die Situation im Betrieb aus. Die Firma gibt offiziell zu, Nachbarn der Kranken zu besuchen, ebenso Ärzte, die Krankenscheine ausstellen, was diese in Zukunft davon abhalten könnte, unsere Kollegen krank zu schreiben. Wir haben Zweifel, ob es juristisch überhaupt zulässig ist, unsere sensiblen personenbezogenen Daten einer externen Firma zu überlassen. Amazon will damit die Arbeiter_innen einschüchtern, damit sie nicht der Arbeit fernbleiben. Wer sich krank schreiben lässt, wird ganz einfach als Betrüger bezeichnet. Dazu kommt eine unzureichende Menge an Urlaub und Pausen und niedrige Löhne, die nicht immer reichen, um sich Dienstleistungen wie Kinderbetreuung, fertiges Essen, Wäsche oder Autoreparaturen zu leisten.

Amazon steht sehr im Blickfeld. Wenige Arbeitgeber sind dermaßen ein Objekt des Medieninteresses. Das liegt an der Arbeit eurer Kommission [Betriebsgruppe].

Amazon hat schon großes Interesse geweckt, bevor es überhaupt in Polen den Betrieb aufgenommen hat. Dass wir es geschafft haben, eine gut funktionierende, einigermaßen große Kommission in Sady bei Poznan auzubauen, ist ein Signal für Arbeiter_innen aus anderen Branchen. Amazon macht dickes Geld, indem es den in Polen immer noch geltenden neoliberalen Standard und die vom größten Teil der polnischen Eliten verwendete neoliberale Sprache ausnutzt. Gewerkschaften behandelt es prinzipiell nicht als Gesprächspartner zum Thema Lohn- und Beschäftigungsbedingungen, lieber redet es direkt mit den Arbeiter_innen ohne Vermittler. Unsere Löhne werden letztlich festgelegt auf Grundlage der Löhne in den umliegenden Betrieben und der ganzen Branche. In anderen Unternehmen ist es im übrigen ähnlich.

Der Durchschnittslohn bei Amazon liegt bei ca. 2.000 Zloty brutto, d.h. ganz leicht über dem landesweiten Mindestlohn. Bei der Auszahlung der Löhne kommt es ständig zu Unregelmäßigkeiten und Fehlern, es wird zu wenig gezahlt und erst nach Beschwerden die Differenz ausgeglichen. Der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne in Unternehmen wie Amazon hat Einfluss auf die Lage von anderen Arbeiter_innen und allgemeine Standards. Deshalb müssen wir uns gegenseitig unterstützen. Nur so können wir die Spirale von niedrigen Löhne und Nichteinhaltung des Achtstundentags dauerhaft stoppen. Keine Regelung von oben auf politischer Ebene sorgt für dauerhafte Veränderungen.

 

Billboard Poznań

Werbetafel in Poznań:

Amazon – Ausbeutung ohne Grenzen.

Arbeiter in Polen: 11 Złoty netto pro Stunde, 10 Stunden am Tag

Jeff Bezos: 1.440.000 Dollar pro Stunde, 24 Stunden am Tag

Billboard in Poznań:

Amazon – exploitation without borders

Workers in Poland: PLN 11 net per hour, 10 hours per day

Jeff Bezos: USD 1,440,000 per hour, 24 hours per day

Safe Package – Grußbotschaft aus Leipzig

Grußbotschaft aus Deutschland an unsere Mitkämpfer in Polen und Frankreich

Gemeinsam sind wir stark, nur gemeinsam können wir Amazon bewegen!

Liebe Amazonier in Polen und Frankreich,

Eure Kollegen aus Deutschland senden Euch solidarische Grüße und wünschen Euch viel Erfolg bei der Aktion „Safe Package“ in der Amazon-Prime-Week!

In dieser Woche finden in Deutschland parallel umfangreiche Streikaktionen statt. In diesem Rahmen haben wir am Standort Leipzig für den 12. Juli in einer streikfreien Zeit auch zum „Safe Package“ aufgerufen.   Damit wollen wir klar stellen, dass wir Teil dieser internationalen Bewegung sind!

Weitere „Safety Days“ werden folgen, auch weitere Standorte werden einsteigen. Lasst uns das auch weiter koordiniert verfolgen.  Unsere entgeltlichen Bedingungen sind sehr unterschiedlich, aber EINES eint uns: Unsere   Arbeitsbedingungen! Wir haben einheitliche Standards, Prozesse, Arbeitsanweisungen.  Und wir wollen nicht nur anständige Bezahlung, sondern auch gesunde Arbeitsbedingungen! Diese gemeinsame Basis ist auch die Grundlage für gemeinsame Aktionen. Lasst uns weiter gemeinsam kämpfen, für gesunde und fair bezahlte Arbeit!

Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Aktionen oder sogar Streiks!

Amazonier_innen aus Leipzig (LEJ), Deutschland, die bei Ver.di organisiert sind

 

Safe Package

Mach mit bei der Aktion „Safe Package”!

Vom 10. bis 16. Juli in POLEN – FRANKREICH – DEUTSCHLAND

Wir sind erstmals dabei am 12. Juli!

Das höchste Gut Amazons ist die Kundenzufriedenheit, die wir natürlich genau so sicher stellen wollen. Deshalb ist es besonders in der “Prime Week” wichtig, dass alle Produkte die Kunden in bestmöglichem Zustand erreichen. Dafür hat unser Unternehmen Prozesse beschrieben und Anweisungen erlassen.

Haltet die Prozesse und Anweisungen ein, überlegt Euch jeden Arbeitsschritt sorgfältig! Beispielhafte Anleitungen findet Ihr auf der Rückseite. So stellen wir die höchsten Qualitätsstandards und die Zufriedenheit der Kunden sicher.

Arbeitet nicht überhastet, aber sicher!

Unsere Sicherheit und Gesundheit ist Amazon genau so wichtig, wie wir täglich in den Meetings hören. 

Deshalb beachtet:

Zu den häufigsten Ursachen von Arbeitsunfällen gehören hohes Arbeitstempo, Druck durch Vorgesetzte und Routine. Wenn wir arbeiten wie die Verrückten, vergessen wir Vorschriften, Regeln, Vorsichtsmaßnahmen, Vermeidung übermäßiger körperlicher Belastungen, Wasser trinken, Unterbrechung der Routine. Wir vergessen unsere Gesundheit.

Tatsächlich sollten wir für jeden Arbeitsschritt ausreichend Zeit aufwenden, um sicherzustellen, dass er sicher und in hoher Qualität ausgeführt wird. Jeder Kunde erwartet, dass sein Paket sorgfältig unter Einhaltung der Arbeitssicherheit und für anständige Bezahlung verpackt wird!

Deshalb rufen wir Euch auf, Euch an der Aktion SAFE PACKAGE zu beteiligen – einer gemeinsamen Aktion von Amazon-Beschäftigten aus Polen, Deutschland und Frankreich.

Auch nach dem 12. Juli werden wir weitere “Safety Days” durchführen. Auch international vernetzt.

Wer am sichersten arbeitet, sollte von Amazon belohnt werden. Gute und gesunde Arbeit geht am besten mit einem, auf Augenhöhe ausgehandelten, Tarifvertrag!

Nicht vergessen! Das Wichtigste bei Amazon ist Kundenzufriedenheit, unsere Sicherheit und unsere Gesundheit, nicht Produktivität!

Hier ein paar Beispiele, worauf wir besonders während der Aktion “Safe Package” achten sollten:

Allgemein:

  • Denke daran, regelmäßig Wasser zu trinken
  • Gehe auf Toilette, wenn du musst
  • Verwende die gesamte Pause (20 Minuten bzw. 25 Minuten) zum Ausruhen
  • Überprüfe die Verpackung konsequent von allen 6 Seiten, überprüfe genau den Zustand und die Zahl der verpackten Artikel usw.
  • Scanne jedesmal den Barcode ein und prüfe, ob der Artikel mit der Beschreibung auf dem Bildschirm übereinstimmt

 

Pack/Rebin/AFE:

  • Arbeite nicht an einem nicht richtig eingerichteten Arbeitsplatz
  • Wenn Kartons, Papier oder Waren fehlen oder wenn sich die verpackten Pakete aufstauen: Drücke den Andon und warte
  • Lasse nicht zu, dass dein Arbeitsplatz mit Totes zugestellt wird
  • Hole keine Totes von einer anderen Linie
  • Wenn du Rebin machst und deine Wand fertig hast: Drücke den Andon und warte

 

Pick/ICQA:

  • Halte Abstand zwischen den Wagen, arbeite ohne Hast, beachte in den Towers die Vorfahrtsregeln
  • Schließe das Tote, sobald es zu schwer wird
  • Melde überfüllte und leere Locations (z.B. Tote-Puffer)
  • Stelle beim Zählen keine Artikel aus den unteren Regalen auf dem Boden ab
  • Achte beim Tragen von Totes auf die richtige Körperhaltung (SMART)

 

Stow:

  • Halte Abstand zwischen den Wagen
  • Suche nach einem geeigneten Platz für schwere Artikel
  • Beachte in den Towers die Vorfahrtsregeln

 

Ship/Dock:

  • Achte auf Sicherheit beim Transport von Paletten und und Artikeln im Lager und zum LKW
  • Benutze den Stapler nur, wenn du eingeloggt bist
  • Bei technischen Problemen mit dem Stapler oder der Ameise: nicht benutzen, sondern einen Vorgesetzten verständigen

 

Receive:

  • Wenn Pakete mehr als 15 kg wiegen: Nur zu zweit heben
  • Bei Tote-Verkeilungen auf dem Förderband immer das Förderband abstellen und nur mit Einweisung eingreifen!
  • Maximal 7 ASIN in ein Tote, auch bei Schmuck

 

Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens April 2017

Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Treffens von Amazon-Arbeiter_innen  in Poznań am 21.–23. April 2017

Nach wie vor setzt Amazon alles daran, seine Arbeiter_innen in den Warenlagern und Versandzentren unter Bedingungen zu beschäftigen, die sie krank machen und in wenigen Jahren verschleißen.

In Polen hat das restriktive Arbeitsrecht 2016 einen Streik bei Amazon verhindert, für den bei der Streikurabstimmung über 2000 Beschäftigte gestimmt hatten. Nun werden Arbeiter_innen, die sich wehren, dort mit Kündigungen wegen angeblich schlechter Leistung und wegen Krankheit aus dem Betrieb gedrängt.

In Frankreich versucht Amazon, faktische Lohnsenkungen gegen die Arbeiter_innen durchzusetzen.

Auch in Deutschland werden Amazon-Arbeiter_innen wegen Krankheit gekündigt, zur Unterzeichnung von Aufhebungsverträgen gedrängt oder ihre befristeten Verträge nicht verlängert. Die von der Gewerkschaft Ver.di organisierten Streiks gehen zwar weiter, aber ohne dass sie tarifvertragliche Absicherungen durchsetzen konnten.

In allen Fällen beweist das Amazon-Management, das erst letztes Jahr Rekordgewinne verzeichnen konnte, dass es Arbeiter_innen nur als Mittel zur Gewinnmaximierung betrachtet.

Der Widerstand an kämpferischen und streikbereiten Amazon-Standorten bleibt schwierig, denn solange der Widerstand nicht eine gewisse internationale Breite gewinnt, kann das global agierende Unternehmen die Bearbeitung von Bestellungen in andere Warenlager und Länder verschieben und dadurch Streikwirkungen ausweichen.

Ein effektiver Kampf bei und gegen Amazon muss deshalb über die Grenzen hinweg geführt und koordiniert werden und dabei die verschiedenen Erfahrungen der Arbeiter_innen berücksichtigen.

Vom 21. bis 23. April trafen sich deshalb in Poznań Amazon-Arbeiter_innen und Unterstützer_innen aus Polen, Frankreich und Deutschland, um ihre Erfahrungen auszutauschen.

Wie schon bei vorherigen Treffen 2015 und 2016 spielten Gewerkschaftsmitgliedschaften oder -mandate keine Rolle, weil es den Beteiligten um eine selbstorganisierte Kommunikation jenseits hierarchischer Organisationsstrukturen geht.

Noch mehr als bei den Treffen 2015 und 2016 lag der Fokus diesmal auf gemeinsamen Strategien zur Gegenwehr. Aufgrund der großen Unterschiede im Lohnniveau und der rechtlichen Situation zwischen den Länderstandorten sind die naheliegendsten gemeinsamen Bezugspunkte nicht Tarifverträge oder Lohnforderungen, sondern die despotischen und krankmachenden Arbeits- und Gesundheitsbedingungen, mit denen alle Amazon-Beschäftigten unabhängig vom Standort konfrontiert sind.

Die Teilnehmer_innen entschieden, diese Bedingungen zum Thema einer gemeinsamen Kampagne „Amazon macht uns krank!“ zu machen und an Aktionstagen Druck auf Amazon auszuüben, damit sich die Lage verbessert.

Poznań, April 2017

Grenzübergreifendes Treffen von Amazon-Arbeiter_innen

Amazon-Arbeiter_innen aus Deutschland, Polen und Frankreich laden zu einem grenzübergreifenden Treffen in Poznań, Polen, ein, das vom 21. bis zum 23. April 2017 stattfinden wird.

Das Treffen setzt den grenzübergreifenden Austausch fort, den Arbeiter_innen aus Amazons Warenlagern über ihre täglichen Bedingungen und ihren Widerstand führen. Seit 2015 haben wir uns mehrere Male in Deutschland, Polen und Frankreich getroffen.

Dieser Austausch hat bereits gemeinsame Aktionen gefördert: Verteilen von Flugblättern mit Forderungen der Kolleg_innen, Unterstützung von Streiks, Verbreitung von Informationen über die Medien… sowie Antrieb und Ermächtigung für alle Beteiligten.

Unser Netzwerk ist offen für alle Arbeiter_innen, unabhängig von Gewerkschaftsabzeichen und Nationalität.

Wir sind jeden Tag über die Zirkulation von Waren verbunden, und wir müssen unsere Ansichten teilen, über die Arbeit, die Selbstorganisierung und über die ähnlichen Probleme, die wir haben: prekäre Bedingungen, befristete Arbeitsverträge, Druck durch Arbeitsvorgaben und Feedbacks, ständige Kontrolle über Scanner und Computer und anderes mehr.

Liebe Docker, Shipper, Packer, Picker, Receiver, Stower! Es ist Zeit für ein „all hands“ – dieses Mal um unser selbst willen und nicht im Interesse der Firma! Wir wissen, dass wir den Kampf bei Amazon nur über die Grenzen hinweg gewinnen können.

Organisatorisches:

Zeitplan: Wir werden am Freitag, 21. April, um 19 Uhr mit einem offenen Treffen beginnen; am Samstag, 22. April, wird das Treffen um 9 Uhr beginnen und den ganzen Tag andauern; am Abend werden wir „Spaß haben und Geschichte schreiben“ (ohne Arbeit!); am Sonntag, 23. April, werden wir am Morgen organisatorische Fragen besprechen. Das Treffen wird Sonntagmittag zu Ende sein.

Sprachen: Wir werden beim Treffen Polnisch, Deutsch, Französisch und Englisch sprechen. Alle Sprachen sind willkommen. Wir werden Dolmetscher einladen, sodass alle teilnehmen können.

Geld: Die Teilnahme am Treffen ist natürlich kostenlos, aber wir werden Spenden einsammeln für Essen und Getränke.

Unterkunft: Ihr könnt in Herbergen/Hostels übernachten (für etwa 5 Euro pro Nacht). Wir können Reservierungen vornehmen, sobald Ihr euch für das Treffen angemeldet habt. Informationen über die Herberge, den Ort, an dem das Treffen stattfinden wird usw. schicken wir Euch nach Eurer Anmeldung.

Anmeldung:
Meldet Euch bitte so bald wie möglich per Email an bei amaworkers(at)openmailbox.org

Mehr Informationen und diese Einladung in anderen Sprachen findet Ihr unter

https://amworkers.wordpress.com

Abschlusserklärung des grenzübergreifenden Amazon-Arbeiter_innen-Treffens

Vom 18. bis 20. Februar trafen sich in Berlin Amazon-Arbeiter_innen aus Deutschland und Polen zum grenzübergreifenden Austausch. Mit dabei waren Kolleg_innen aus drei deutschen Versandzentren (Bad Hersfeld, Leipzig, Brieselang) sowie aus dem Versandzentrum im polnischen Poznań, gemeinsam mit solidarischen Unterstützer_innen aus lokalen Solidaritätskreisen.

Das Treffen in Berlin war das dritte seiner Art: Kolleg_innen aus verschiedenen Ländern tauschen sich direkt untereinander aus, unabhängig von ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit, von Angesicht zu Angesicht. Dabei mischten sich zwei Stimmungen: die gemeinsame Wut gegen die Atmosphäre der Angst, des Mobbings, der Normen und Zielzahlen – aber auch die gemeinsame Überzeugung, dass dieser Kampf gegen den multinationalen Konzern Amazon gewonnen werden kann.

Die Solidarität war von Anfang an spürbar: Den Auftakt des Treffens bildete eine öffentliche Veranstaltung gegen prekäre Arbeitsbedingungen, an denen auch Kolleg_innen aus anderen Branchen teilnahmen (u.a. öffentlicher Nahverkehr, Botanischer Garten, Gastronomie). Das zeigte, dass die systematische Prekarisierungspraxis von Amazon auch in anderen Branchen immer weitere Ausdehnung findet.

Dieser Austausch von Erfahrungen über betriebliche und nationale Grenzen hinweg beflügelte auch die folgenden zwei, in denen im Kreis der Amazon-Kolleg_innen intensiv diskutiert wurde, wie der Austausch und die Kommunikation verbessert und weitere Schritte in der Auseinandersetzung mit Amazon gegangen werden können. Denn die internationale Vernetzung und die Koordination gemeinsamer Aktionen ist eine notwendige Voraussetzung dafür, die Forderungen der Arbeiter_innen durchzusetzen. In Deutschland kämpfen die Beschäftigten seit drei Jahren für einen Tarifvertrag; in Polen setzen sich die Arbeiter_innen u.a. für Lohnerhöhungen, bessere Schicht- und Pausenregelungen, gegen die steigenden Normen und gegen Leiharbeit ein. Dieser praktische Internationalismus, der sich auch gegen Standortnationalismus und Rassismus, richtet, war bei dem Treffen präsent.

Das dritte deutsch-polnische Arbeite_innen-Treffen zeigt die Fortschritte direkten Austausches. Nun arbeiten wir auf die Ausweitung mittels Besuchen in anderen Versandzentren sowie auf gemeinsame Aktionen und Streiks hin.

Den Anfang macht eine Aktion am 1. März im Rahmen eines europaweiten Aktionstages: Arbeiter_innen aus Polen und Deutschland nehmen gleichzeitig an lokalen Aktionen teil, u.a. gegen die Leiharbeitsfirmen Manpower, Adecco und Randstad, die vor allem bei Amazon in Polen sehr aktiv sind.

Diese internationalen Initiativen sollen in den kommenden Monaten noch ausgeweitet werden. Bis zum nächsten internationalen Treffen, welches voraussichtlich im September in Leipzig stattfinden wird, sind noch weitere kleine Treffen (zum Beispiel im Sommer in Wroclaw) geplant.

Berlin, Februar 2016

Internationales Treffen der Amazon-Arbeiter/innen Februar 2016

18. bis 21. Februar 2016 in Berlin

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach dem erfolgreichen Treffen im September im polnischen Poznan laden Arbeiterinnen und Arbeiter von Amazon aus Polen und Deutschland erneut zum Treffen und zum Austausch ein — dieses Mal vom 18. bis 21. Februar 2016 in Berlin.

Der Arbeitskampf bei Amazon in Deutschland hat in den letzten Wochen und Monaten wieder an Fahrt aufgenommen — dutzende kleine und große Streiks vor und im Weihnachtsgeschäft zeigen die weiterhin große Kampfbereitschaft der Belegschaft. Auch in Polen stehen Arbeitskämpfe vor der Tür, nachdem das Management von Amazon die Schlichtung abgebrochen hat.

Im Anschluss an den direkten Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen im September findet nun im Februar das nächste Treffen in Berlin statt, um den Austausch über Arbeitsbedingungen weiterzuführen. Dieser Informationsaustausch ist zentral, denn Amazon verbreitet immer wieder gezielt Falschinformationen. Doch es soll auch darum gehen, über den weiteren Kampf zu diskutieren und gemeinsame Aktionen zu planen. Denn der Kampf bei Amazon ist nur international zu gewinnen.

Sprachen

Wir werden Polnisch, Deutsch, Französisch und Englisch sprechen und alle Sprachen sind willkommen. Wir laden viele Übersetzer/innen ein.

Organisatorisches

Kosten und Übernachtung werden noch geklärt und hängen unter anderem von der Zahl der festen Zusagen ab.

Anmeldung: Internationales.Treffen@googlemail.com

Weitere Infos:
https://amworkers.wordpress.com/